Montag, 31. Januar 2011

Neulich, nieselregenmontags...


Manche Begegnungen und Fotos liegen mir derart am Herzen, dass ich gar nicht so leicht direkt was hinterherposten mag. So zum Beispiel geht's mir mit den Kleins, hier direkt untendrunter. Und auch wenn es schon drei Tage nicht geregnet hat gibt's zwischendurch nun eine kleine Nieselregen-Bilderserie, die am vergangenen und sehr verregneten Montag entstanden ist. Eine schöne Gelegenheit außerdem, nun endlich (nachdem es eigentlich schon in jeder Zeitung steht) auf Vivian Maier hin­zuweisen, von der ich kürzlich bei Visuelle Gedanken erfahren habe. Vivian Meier ist leider schon verstorben und gelangt gerade posthum zu Ruhm und Ehre. Hauptberuflich hat sie als Nanny in Chicago gearbeitet, aber an freien Tage ist sie mit ihrer Kamera unterwegs gewesen und hat das Leben auf der Strasse fotografiert. Niemals zu Vivian Maiers Lebzeiten sind die Fotos, und es sind sehr viele, irgendwo veröffentlicht worden. Nun jedoch werden nach und nach einige auf 'ihrem' Blog gezeigt, und glücklich, wer in Hamburg weilt: Dort wurde vor wenigen Tagen eine Ausstellung mit ihren Arbeiten eröffnet. 
Some meetings and photos mean such a lot to me, that it seems hard to find the right thing to post next. To me the Kleins from my previous post are like that. And eventhough it luckily didn't rain during the last days; here are some drizzle-pictures which I took on the last and very rainy monday. This moreover is quite a good chance to finally write something about Vivian Maier, although more or less all the newspapers have pubished her story in the meantime. I've heard at Visuelle Gedanken of her awesome story: Vivian Maier unfortunately died a few years ago, but currently she's posthumously coming to fame. She used to work as a Nanny in Chigago. But when she had her day off she always went out with her camera, taking photos on the streets. Never, during her lifetime, her photos, and she'd taken a large number,  were published or exhibited somewhere. By now they get posted, bit by bit, at 'her' blog, and in Chigago and Hamburg her work currently is presented in exhibitions.



Wie sehr mich die wunderbaren Bilder der so privaten Fotografin elektrisieren kann ich kaum in Worte fassen. Zumal die rudimentär bekannte Geschichte ihres Le­bens eine ganz eigene Faszination ausübt, die meinen Kopf ins Denken bringt.
Details zur allerorten verkündeten Lauf­feuer-Nachricht gibt's hier, oder hier, und bei Visuelle Gedanken kann man obendrein einen sehr anschaulichen TV-Bericht von Chicago Tonight sehen.
Und nun noch ein paar Fotos von der Kölner Domplatte....
I'm not even able to find some words to describe, how galvanizing the photos of this private photographing woman are to me. Especially since the rudimentarily known story of her lifetime is, on top of it all, so fascinating, keeping my mind busy.
Here you may find some more details of these news, currently spreading like wildfire in germany. At Visuelle Gedanken you'll find an interesting TV- report of Chicago-Tonight.
And here you'll find some more pictures from around the Cologne Cathedral...


Freitag, 28. Januar 2011

Imponderabilien





Es ist schon ein paar Monate her, dass ich die Kleins das letzte mal getroffen habe, und zwar zufälligerweise genau an dem Platz, an dem ich sie auch das erste mal fotografiert habe. Natürlich sind wir seitdem alle ein Lebensjahr älter ge­worden; für Herrn Klein bedeutet das, dass er inzwischen 99 Jahre alt ist. Darüber werde ich auch gleich zu Beginn unseres gestrigen Gesprächs informiert, und es ist mir eine Freude zu sehen, wie sehr Herr Klein sich freut. "Noch immer," so verrät er mir, "lerne ich jeden Tag einen Ausspruch oder einen Vers, der es mir wert zu sein scheint, dass ich ihn mir merke. Und zwar auf Deutsch, Französisch oder Latein." Natürlich gibt er ein paar davon auch preis. Da ich aber ohne Zettel und Stift unterwegs bin hier nun lediglich eine sinngemäße Wiedergabe eines solchen Ausspruchs: "Ich beobachte um zu verstehen, nicht um zu urteilen."
A few months ago I met the Klein's the last time, excactly at the same place where I took the first photos of them. Naturally we all got older in the meanwhile: this means for Mr. Klein that he is 99 years old by now. That's one of the very first things he told me, when we met yesterday. And it's a great plaesure for me to witness how delighted he is about this. "Still," he says, at every single day I commit a versicle to memory, in german, french or latin. Of course he tells one or another, but for the reason that I don't have anything to write on with me, here I quote one, giving the gist of it: "I observe to grasp, not to judge."



Herr Klein ist ein Meister der Erzählkunst. Betonung, Pause, Satzeinschübe; lustvoll verbunden,  virtuos und wort-gewitzt for­muliert. Stets gekonnt in Szene gesetzt durch hinweisende Gestik und seinen aufmerkenden Zeigefinger. Höchst char­mant bezieht er seine Frau ins Gespräch mit ein, ohne allerdings dabei die Bühne je ganz zu verlassen. "Ich will gar niemand sein", sagt er, mit der Betonung auf dem 'sein', und macht eine kunstvolle Pause. "Ich weiß aber doch, dass ich jemand bin, und was ich mir gestatten darf.
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Mr. Klein is a master of storytelling. Intonation, pauses, parentheses; combined with relish, drafted in a virtuoso manner. Always perfectly set into scene by the support of ostentsive gestures and a wagging finger. He charmingly integrates his wife into the conversation, although he never completely leaves the stage. "I don't want to be someone." he says, pausing for effect, accenting the "be". "But I do know, that I am somebody, and what I may permit to myself."
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Donnerstag, 27. Januar 2011

Kuaför





Seit 60 Jahren ist Mustafa Okutan nun Damen und Herren-Frisör. Mit 17 ist er in die Lehre gegangen, in Istanbul, Beyoglu. Während meiner Istanbul-Reise habe ich in diesem Stadtteil gewohnt, und sofort fühle ich mich auf eine Weise mit seinem Leben verbunden, die beinahe absurd ist.
Eigentlich ist Beyoglu vergleichbar mit Köln Ehrenfeld, wo Mustafa seit inzwischen 20 Jahren seinen Salon auf der Venloerstasse hat. Direkt gegenüber befindet sich das Schwesterherz, ein Cafe in dem eher die Trendszene des Viertels verkehrt. Ganz nah beieinander also liegen hier ver­schiedene Welten, das 'Von-Bis Spektrum' beider Stadtteile wird ganz gut abgebildet. Mustafa ist ein gut gelaunter Mann, mit klarer Stimme und viel Spielwitz. Schon oft habe ich ihn an seiner Tür stehen sehen, und mich an seinen immer neuen Kopfbe­deckungen gefreut. Davon hat er einige, und nicht ohne Stolz führt er sie vor: "Alle selbstgemacht!"
Auch der Express hat vor kurzem über ihn berichtet, und der Herr, der gerade auf dem Stuhl sein Kunde ist, hat so von ihm erfahren: "Meine Frau hat gesagt, geh da doch mal hin."
Since 60 years Mustafa Okutan works as a ladies and gentlemen coiffeur. At the age of 17 he started his education in Istanbul, Beyoglu. During my trip to Istanbul I stayed in this part of the city, and immediately I fell so connected to Mustafa's life, that it's almost absurd. Somehow Beyoglu is comparable to Cologne-Ehrenfeld, where Mustafa runs his hair-salon at the Venloerstrasse. Exactly across the street the 'Schwesterherz' is located, a cafe frequented by the trend-scene. So these different worlds are quite close together, the 'from-to range' is well illustrated. Mustafa is a cheerful man, with a clear voice and a lot of witty playfulness. Quite a few times I've seen him, standing at his door, wearing a range of changing hats. He calls many of them his own, proudly presenting some of them to me: "All of them are handmade!"
Even the local newspapers lately covered his story, and the man sitting as a client on Mustafa's chair gained knowledge about him through this article. "My wife animated me to visit Mustafa's shop."  



Mustafa Okutan zählt eine lange Reihe der "Salonu's" auf, in denen er gearbeitet hat. Jeder einzelne wird mit Wucht und Prägnanz benannt, und es besteht kein Zweifel; alle haben einen Platz in seinem Herzen. Weiter geht's, bitte hier entlang...
Mustafa Okutan enumerates a long list of 'salonus' where he used to work. He names every single one with impetus and pithiness, and there is no doubt; he stores all of them in his heart. Please follow...

Dienstag, 25. Januar 2011

Nicht einfach wild drauflos helfen





Als Herr M. noch gearbeitet hat musste er immer sehr früh aufstehen. Es lag ihm viel daran pünktlich zu sein, um so auch seinen Mitarbeitern mit gutem Beispiel voran­zugehen: "Morgens am Küchentisch hing, mir direkt gegenüber, eine große Uhr." Seit ein paar Jahren ist er nun in Rente; Herr M. ist 70 Jahre alt. Dass ihm die Uhr jetzt keine Vorgaben mehr macht, das genießt er: "In Ruhe Zeitung lesen zu können ist schon toll." Herr M. war über 40 Jahre lang Sozialarbeiter, die meiste Zeit hat er mit ehemaligen Gefangenen ge­arbeitet. Das war nicht immer leicht: "Man muss sich mal in die hineinversetzen; da sind sie endlich wieder frei, und dann ist da sofort wieder jemand, der etwas will. So empfinden es zumindest viele." Wild drauf los zu helfen macht da keinen Sinn: "Das allerwichtigste ist Kontakt herzu­stellen, also eine wirkliche Verbindung. Dazu ist viel Vertrauen nötig, und auch Zeit." Seine Arbeit hat Herr M. mit viel Herzblut gemacht, das ist auch heute noch deutlich zu spüren."Einmal hat mir ein Exhäftling von seiner Geschäftsidee er­zählt. Das war gar nichts weltbewegendes an sich; aber es war seine Idee, und sie hat auch funktioniert." Über den Erfolg haben sie sich gemeinsam gefreut, und diese Geschichte beschreibt ganz gut, worum es eigentlich ging bei seiner Arbeit: "Da zu sein, wirklich Anteil zu nehmen."
When Mr. M still had been working he always had to get up very early in the morning. It was important to him to be in time, in order to serve as an example for his staff, as well: "At my kitchentable, right in front of me, there was this huge clock." A few years ago he retired; he's 70 years old now. Not to be bothered by the clock anymore makes him happy: "To read the morning papers without ruffle or excitement, that's great." Mr. M has been working as a social worker, most of the time with ex-prisoners. That hasn't been easy throughout all times: "Just imagine that; they're just released from custody, and then immediately someone shows up, demanding things again. That's at least how it seems to many of them." Helping away doesn't make any sense then: "The most important thing is to get connected, to get in rapport. That requires a lot of trust, and a lot of time." He has been doing his job with much abandon, that may easily be imagined. "Once an ex-prisoner told me about his business idea, that hasn't been a big deal, by itself. But; it was his own idea, and it worked out quite well." They shared their joy about the success, and this story describes pretty well what really mattered concerning his work:" To be there, to really take an interest."

Montag, 24. Januar 2011

Der 54. November





"Ich bin echt zu alt, um eine Arbeit zu machen, die mir keinen Spaß macht; das hat neulich ein Freund von mir gesagt." erzählt Jakob, und das ist auch gleichzeitig seine Antwort auf meine Frage, was ihm im Leben wirklich wichtig ist. Jakob ist Licht- und Tontechniker für Veranstal­tungen; zum Beispiel tourt er mit dem Chaostheater Oropax, das wetter-passen­derweise eine Bühnenshow mit dem Titel: "Der 54 November" im Programm hat. Er ist auch regelmäßig beim Zelt-Musik-Festival in Freiburg dabei, übrigens die Stadt in der Jakob und Susan leben. Susan ist "Veranstaltungskauffrau, neudeutsch Eventmanagerin." Aus Spaß an der Freud arbeitet sie nebenbei noch im Cafe Sedan: "Das ist einfach total nett dort, ähnlich wie das Cafe Sehnsucht in Köln." Ihr Leben versucht sie so zu leben, dass es ihrem Wesen möglichst viel entspricht: "So Susanmäßig es eben geht." sagt sie und lacht: "...mal eben so aus der Rippe gekratzt gesagt, ganz philosophisch."
"I'm just too old to do a work, which doesn't make me happy; that's what a friend recently siad to me." Jakob says, and it's his answer on my question, what he considers important in life. Jakob is light-and sound technician for events: for example he's on tour with Chaostheatre Oropax, who, according to the current weather,play a show called "The 54th of November". He's also repeatedly booked for the Zelt-Musik-Festival in Freiburg, the hometown of Jakob and Susan, by the way. Susan works as an eventmanager, and just for the fun of it she also works at Cafe Sedan: "It's such a nice place." Susan tries to live her live in her own and personal manner, as precisely as possible. "As Susan-like as possible" she says laughingly: "...to say it off-hand in street-philosophy-words..."



Ich hab Susan und Jakob übrigens auf englisch angesprochen, weil ich, warum auch immer, überzeugt war, dass sie aus Finnland kommen. Und weil es so nett war mit den beiden hier noch ein Foto...
I approached Susan and Jakob in english, by the way, because for some reason I was convinced that they're from Finland. And for the reason that it was so nice to meet them, here's one more photo...

Freitag, 21. Januar 2011

Polyestershock





Als ich Anna das letzte mal getroffen habe war sie gerade auf der Suche nach einem Ladenlokal in Köln Ehrenfeld. Voilá, hier ist es nun. Vor 2 Monaten schon hat sie ihren kleinen Laden eröffnet, in dem sie gut gelaunt und wohlsortiert Mode vergangener Jahrzehnte anbietet. Namensgebend ist dabei die Lieblingsfaser der 60er und 70er: Polyestershock, so steht's draussen ange­schrieben, und bei Dawanda finden auch vintageaffine Nicht-Kölner Zugang zu ihren Textil-Preziosen. Wer allerdings live bei ihr im Laden ist hat ganz klar zwei Vorteile; zum einem kann man sich von Anna's froher Leidenschaft inspirieren lassen, zum anderen ändert sie auch die Kleidung auf den individuellen Kundenleib, bis alles prima passt.
When I met Anna the last time she was just on her way to find a shop for rent in Cologne. Voilá, here it is. Two months ago she already opened up her little store, where she cheerfully and well sorted offers clothes of bygone decades. The favourite material of the 60ies and 70ies gave her the idea to call it Polyestershock. That's what's written above the door, and her Dawanda-account shares the same name, where also Non-Cologne-people may supply their vintage-wants. To visit her in her shop certainly has two advantages; on one hand you get inspired by Anna's merrily passion, and on the other hand she customizes the clothes to perfect, individual fit.



Eine Webseite gibt's derzeit noch nicht; ihr Facebookprofil hält allerdings in der Rubrik Info unter anderem dieses bereit: "Jeder Mensch kann so glücklich und schöpferisch sein wie er es sich selbst zu werden er­laubt."
Jetzt kommen noch ein paar Fotos aus dem Laden, der sich übrigens hier befindet. Geöffnet ist immer nachmittags ab 15 Uhr, Samstags schon ab 11.00, und diese Bilder sollen mein Geschenk zu Eröffnung sein. Alles Gute, Anna! ...hier entlang, bitte sehr...
A website doesn't exist yet, but her facebook-profile tells this in the category info: "Every person can get as prosperous and intentive as one allows to oneself." In the following you find some photos of the shop, which is located here, by the way. Opening-times are from 3pm in the afternoons, and saturdays from 11am on. The pictures are ment as a an opening-gift. All the best, anna! ...here you go...


Mittwoch, 19. Januar 2011

Alt aussehen


Ali Kemal, 70 Jahre
Menschen, in deren Gesicht die Spuren des Lebens offenbar sind und sein dürfen, vermitteln neben Würde und Schönheit für mich noch etwas anderes; sie beruhigen. Soviel Erfahrung und  Gelassenheit kann man in diesen Gesichtern finden, dass man sich auf diffuse Weise sofort ermutigt fühlt, für was auch immer.
In der letzten Zeit scheinen auch die Redakteure von Modemagazinen ihr Blick­feld etwas über den Jugend-Tellerrand hi­naus erweitert zu haben. Die Herbst/­Winter-Ausgabe 2010 der Vogue Hommes International hat ein ganzes Heft mit älteren Models gemacht: "The prime of life". Ältere Models bedeutet in diesem Fall um die 50 oder älter. Eine Fotostrecke mit Iggy Pop ist zu sehen, Terry Richardson foto­grafiert Jackie Lomax, der frap­pierende Ähnlichkeit mit Blogbewohner Elvis hat, und Karim Sadli hat durchgestylte Princes of New York in Szene  gesetzt. Mein persönliches Highlight des Heftes ist das Editorial "The sicilian Clan" vom Magnum Fotografen Ferdinando Scianna. Der hat seine "echten Männer" im echten Leben Siziliens gesucht und gefunden.
Hier geht's weiter...
Faces of people which obviously, and allowedly reveal the signs of life, convey among dignity and beauty something else; they generate calmness. So much experience and serenity can be found in these faces, that one feels encouraged immediately, in a vague way, for whatsoever. Lately even the editors of fashion magazines seem to think out of the youth-box, bringing age into focus.
The fall/winter issue of Vogue Hommes International for example:" The prime of life" They dedicated the whole issue to mature models. Mature models in this case means 50 or older. A series with Iggy Pop is published, Terry Richardson photographs Lackie Lomax, who has an uncanny likeness with Elvis from a previous post, and Karim Sadli shows well styled Princes of New York. My personal highlight of the issue is the editorial "The sicilian clan" of Magnum photographer Ferdinando Scianna, who searched and  found his "real men" in real sicilian life.
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Montag, 17. Januar 2011

Jobsuche





Sechs Jahre lang hat Charles in einem der feinsten Hotels am Platze als Küchenhilfe gearbeitet. Dann hat er einen neuen Vorgesetzten bekommen, und da hat irgendwie die Chemie überhaupt nicht gestimmt. Nun ist Charles seit 4 Monaten arbeitslos, und darüber ist er gar nicht glücklich. Weil ich so genau nachfrage was er denn gearbeitet hat, fragt er auch genau nach: "Hast Du Arbeit für mich?" Als ich ihn treffe ist er gerade auf dem Weg ins Allerweltshaus in Ehrenfeld. Dort will er sich helfen lassen, Bewerbungsschreiben aufzusetzen. Er hat über einen Freund von einem Job gehört, aber sein Deutsch ist nicht gut genug: "Schreiben ist schwer." In Deutschland hat Charles schon alles mö­gliche gearbeitet, alles durcheinander. Vor gut 10 Jahren ist er aus dem Kongo her­gekommen; einer der  ärmsten Regionen der Welt: "Dort gab es gar keine Arbeit, nur schlimme Politik."
For six years Charles has been working as a kitchen hand in one of Colognes most ritzy hotels. Then he's got a new direct supervisor, and the chemistry hasn't been right at all. So now, since four month, Charles is out of a job, and he definitely isn't lucky about this situation. For the reason that I ask direct questions about his work, he does too: "Do you have a job for me?" When I meet him, he's just on his way to the Allerweltshaus, an association for supporting migrants. There he wants to ask for help concerning his application documents. From a friend he heard about a job, but his german isn't good enough: "It's hard to write in german." In Germany Charles did all kinds of jobs yet, anything and everything. About 10 years ago he came from Congo, one of the poorest regions world-wide: "There was no work at all, only brinkmanship."

Freitag, 14. Januar 2011

Regen-Reigen


Erdogan ist in Istanbul geboren und hat dort 22 Jahre gelebt. Dann ist er nach Cambridge gegangen um Wirtschaftswis­senschaften zu studieren. Dass sein Kleidungsstil durchaus englisch anmutet ist aber purer Zufall, meint er. Nun lebt Erdogan in Köln und  ist "...in der Automobilbranche tätig." Er ist Inhaber einer Zuliefererfirma für Autoteile. Auf meine Frage was er im Leben wirklich wichtig findet antwortet er nach kurzem überlegen mit schelmischem Blick: "Ehr­lichkeit". Natürlich erzähle ich ihm begeistert von meiner Istanbul-Reise, und versuche mit meinen zweieinhalb Sätzen Türkisch Eindruck zu schinden. Leider passen sie aber vom Sinn her gar nicht in unser Gespräch, und so setze ich meinen kleinen Foto-Ausflug im Regen fort. Erdogans leicht versehrter Schirm eröffnet also nun den Regen-Reigen, in dessen Verlauf besonders die halbkaputten, aber tapfer ihren Dienst verrichtenden Exem­plare mein Herz erobert haben.
Erdogan was born in Istanbul, where he lived for 22 years. Then he moved to Cambridge, to study economic sciences. That his style of clothings looks quite british is purposeless, he says. Now Erdogan lives in Cologne, and is  "...busy in the automotive industry." He runs a company for bought-in- automotive-parts. When I ask him what he considers really important in life he ponders for a moment, then he says "Honesty" with a waggish smile. Of course I enthusiastically tell him about my trip to Istanbul, and I try to impress him with my few words in turkish. Unfortunately they don't make any sense in our concersation, and so I continue my little photo-stroll through the rain. Erdogans lightly disabled umbrella now opens up the rain-roundel, and all the almost broken ones, which still render a good service to their owners, immediately won my heart.



Mittwoch, 12. Januar 2011

Ready or not...





Analog trifft digital; B. hat nichts dagegen dass ich ihn fotografiere, wenn er auch ein Foto von mir machen darf. Die kleine, feine Leica passt in seine Hosentasche und auch obwohl er nur eben schnell mal aus dem Haus ist, hat er sie dabei. B. ist Teil von Undenk, einer international agierenden (jaa-woohl!) Streetartgruppe mit eigenem Wikipedia-Eintrag, Hang zu Philosophie und Guerilla-Ironie und einem Hasen namens Winston. B. hat außerdem einen Fotoblog mit wunderbaren Bildern; neben viel Streetart auch kleine Preziosen des Alltags, stets kombiniert mit einem Stück Musik und ein paar Worten Text.
Offensichtlich ist B. viel unterwegs in der Welt, denn seine Fotos sind ein wildes geografisches (Kunst)-Tagebuch. Den ersten Post seines Blogs hat er übrigens mit einem Stück der Delfonics garniert: Ready or not, und deswegen reiche ich nun meinen assoziativen Ohrwurm des Trios an euch weiter, Jackie Brown lässt grüßen. Hier entlang...bitteschön...
Analogue meets digital; B. doesn't mind if I take a picture of him, as long as he may take one of me as well. The small and mighty Leica fits perfectly into his pocket, and although he just left the house for a second he's got it with him. B. is part of Undenk, an international operating (yee-es!) Streetart-group with an own Wikipedia-article, liability to philosophy and guerilla-humour, and a rabbit named Winston. Furthermore B. runs his own photo-blog with awesome pictures; among a far bit of street-arts he also posts precious findings of every-day life, always combined with a piece of music and some addes words.
Obviously B. is travelling the world a lot; his blog is a mixed geographical (art) diary. His first blog post, by the way, is coming along with a song of the Delfonics: Ready or not, and that's why I pass on my associatively ear worm to you; withe best regards from Jackie Brown. Here you go....

Sonntag, 9. Januar 2011

Eisschwimmer





Eigentlich spreche ich dieses Paar an, weil mich der Jacken-Partnerlook neugierig macht. Allerdings reden wir fast sofort über ein ganz anderes Thema; die beiden sind nämlich passionierte Eisschwimmer. "Da hinten" sagt Frau M., und zeigt den Strand hinunter, "da ist unsere Bank. Da gehen wir jeden Morgen hin, legen unsere Sachen ab und gehen ins Meer." Vor 12 Jahren haben sie das Eisbaden für sich entdeckt und finden es großartig. "Nach ein paar Minuten fängt es in den Fersen an zu kribbeln, wann sie aus dem Wasser müssen das merken Sie dann schon." Mit ihrer Leidenschaft für eiskaltes Wasser befinden sie sich in guter Gesellschaft. Bundesweit gibt es Eisbade-Gruppen und Vereine, und über das traditionelle Neujahrsbaden wird regelmäßug in den Nachrichten berichtet. In Zinnowitz, wo ich die beiden treffe, ist das 'Anbaden' in dieser Saison jedoch ausgefallen: "Dieses Jahr ist das Eis so dick, da wären wir nicht mehr aus dem Wasser rausgekommen, das war zu gefährlich." Bilder vom letzten Jahr gibt's hier zu sehen, fast 100 Menschen sind unerschrocken ins kalte Meer ge­sprungen.
I actually approached this couple because their partnerlook teased my curiosity. But then we soon were talking about something totally different; both of them are passionate ice swimmers. "Back there" Mrs. M. said, showing along the beachside, "there is our bench. Every morning we drop our clothes on it and then we enter the ocean." 12 years ago they discovered ice swimming and since then they love it. "After a few minutes your feet start to tingle, you know by yourself when it's time to leave the water." They are in good and worldwide company, concerning their passion for icecold water. Many winter­swimmers are organized in groups or clubs, all around the world, and the traditional new year ice swimming often is broadcasted in the news. In Zinnowitz, where I met this couple, the opening this year unfortunately couldn't take place: "This year the ice shelter is icesheet was too thick, so it would have been very hard to leave the water again." Here you may find some photos from the last years event; almost 100 people bravely plunged into the water."


Seit 52 Jahren sind Herr und Frau M. verheiratet: er ist promovierter Landwirt, sie ist Köchin. Jetzt sind allerdings beide in Rente, und seit ein paar Jahren leben sie ganz in Zinnowitz: "Vorher hatten wir 2 Haushalte, und sind immer hin und her gefahren." Weiter geht's, bitte hier ent­lang...
Since 52 years Mr. and Mrs. M are married; he's a doctor of agriculture, she's a cook. Now, of course, they're retired, and since a couple of years they live in Zinnowitz. "Before we used to have 2 households, and we kept commuting." To read more, please follow...

Mittwoch, 5. Januar 2011

Eisgewalt





Mit der Schaufel befreit Herr R. die Pfosten des Stegs vom Eis: "Da steckt eine Gewalt hinter, das können Sie sich gar nicht vorstellen." Gut 30 cm dick sind die Eisschichten, die ans Ufer und den Bootssteg drücken. Herr R. tut was er kann, aber er vermutet, dass am Ende die Pfosten so schief stehen werden, dass er den Steg neu aufbauen muss. 1958 hat Herr R., der hier groß geworden ist, Usedom verlassen, und damals war er sich nicht sicher ob er jemals zurückkehren würde. "Ich hab eigentlich nicht geglaubt, dass es möglich ist." sagt er. Wie es war dann nach dem Mauerfall doch wieder auf die Insel zu kommen, frage ich ihn. "Tja, das war schon was." sagt er nur, und den Rest erzählt sein Gesicht. Herr R. ist Gärtner, das liegt in der Familie. Er hat den Beruf selbst übernommen und weitergegeben hat er ihn auch. Nun mit 71 ist er in Rente und das wichtigste im Leben, sagt er, ist die Gesundheit. Dabei sieht er mich an, als wäre er erstaunt, dass ich das nicht von selbst weiß.
With a shovel Mr. R is busy to clear the footbridge from ice. "There's a power behind it, you wouldn't imagine." The icesheet, which is pressing againt the banks and the landing stage is about 30 cm thick. Mr. R. does his best, but he supposes that the posts finally will be completely askew, so that he has to rebuild the footbridge. In 1958 Mr. R left Usedom, and back then he didn't expect to come back someday: "I couldn't belive, that it would be possible." I ak him how it finally was to come back, so many years later, after the fall of the Berlin Wall. "Well, that was quite something." he simply says, and his face is telling the rest of the story.
Mr R. is a gardener, it runs in the family, he himself took this profession over, and he passed it on, also. Now, with 71 he's retired, and aserstaunter blick
most important in life he considers health. Saying that he looks at me, with the look of astonishment, wondering why I don't know the answer all by myself.