Montag, 27. Juni 2011

Mit Frau E. ins Café





"So alt zu werden hat auch seine Nachteile. Alle sterben vor Ihnen, und Sie sind dann alleine." Das sagt Frau E. die ich nach langer Zeit wiedertreffe. Im Oktober 2009 habe ich sie, fast an der gleichen Stelle, schon einmal fotografiert. Seitdem habe ich oft an Frau E. gedacht, und mich gefragt wie es ihr wohl gehen mag. Als ich sie nun wiedersehe ist sie auf dem Weg zu einem Geburtstag, und sie hat nicht viel Zeit. Aber wir verabreden, dass ich ihr die Fotos von diesem und vom letzten Mal bringe, und wenige Tage später besuche ich sie dann bei ihr zuhause. Sie freut sich über die Fotos, und fühlt sich gut ge­troffen.
"Becoming that old carries it's disadvantages, as well. Everyone dies earlier than you, and finally you find yourself alone." Mrs. E says, who I meet again after a long while. In october 2009 I took a photo of her yet, almost at the same place. Since then every once in a while I was thinking of her, wondering how she is. The moment I finally meet her again she's in kind of a hurry, because she's on her way to a birthday-celebration. But we make an appointment, and a few days later I visit her at home, bringing all the photos I took of her with me. She likes the pictures, and she feels portrayed well.



"Was einen an anderen stört, das trägt man doch sehr oft auch in sich selbst." sagt Frau E. "Ich habe das lernen müssen. Mich zu fragen, was ist mein Anteil an der Geschichte, was habe ich gemacht, oder was kann ich tun. Nicht immer nur anderen die Schuld geben. Das ist einfach. Andere zu beschuldigen. Ja, und man muss sich auch in Nachsicht üben. Das lernen Sie mit dem Alter." 
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"What you dislike about others you can find in your own person quite often." Mrs E. says. "I had to learn this lesson. To ask myself what is my part of the story, what did I do, or what can I do? Not just to blame somebody else. That's simple; just to blame others. Becoming old you're learning that."
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Sonntag, 26. Juni 2011

Who knows tomorrow?





Andere Länder, andere Namen; Menschen mit Namen, die für westliche oder euro­päische Ohren ungewohnt oder schwer zu verstehen sind haben oftmals einen zwei­ten Namen, der diese Hürde galant um­geht. Chris heißt also eigentlich Amaechi, (oder ist es doch umgekehrt, ich weiß es nicht). Amaechi ist ein niger­ianischer Name, und hat folgende weise Bedeutung: No one knows tomorrow, oder auch als Frage formuliert: Who knows tomorrow?
Für das Morgen, und die Zeit danach, hat Amaechi Pläne und Wünsche, seine Gegenwart nutzt er zu deren Verwirk­lichung. Aktuell hat er sein Studium der Energietechnik beendet, was keineswegs bedeutet dass er mit dem Lernen fertig wäre: "Gerade muss ich mich in so ein Computerprogramm einarbeiten, das in vielen Firmen als Grundlage vorausgesetzt wird."
Ich frage Amaechi was in seinen Augen der wesentlichste Unterschied ist zwischen Menschen in Deutschland und Nigeria, wo er seine ersten Lebensjahre verbracht hat: "Hier ist alles Hektik. In Nigeria haben die Menschen mehr Zeit. Das Leben ist nicht so formatiert, es gibt weniger starre Regeln im Alltag."
Es sei noch darauf hingewiesen, dass die Afrika-Meisterinnen des Frauen-Fußballs aus Nigeria kommen, und heute im Auf­taktspiel gegen Frankreich angetreten sind. Und hier und da gibt es ein­drucksvolle Fotos des nigerianischen Foto­grafen Andrew Esiebo.
Other countries, other names; people with names, which are hard to understand or to remember for western or european ears often have a second name to find a way around this problem. So Chris actually is called Amaechi ( or is it the other way round, I'm not too sure). Amaechi is a nigerian name and bears a wise meaning: No one knows tommorrow, or to put it as a question: Who knows tomorrow?
For his tomorrow, and the time after, Amaechi has ambitious plans, and  in his presence he takes advantage of achieving his aims. He just finished his study of energy engeneering, but that doesn't mean that he stops learning: "Currently I try to become aquainted with a computer program, which is required as a basic in many companys."
I ask Amaechi what he considers as the most essential difference between people of Germany and of Nigeria, where he grew up in his childhood years:" Here everything is rush. In Nigeria people have more time. Life isn't all that formatted, there aren't that much definite rules in all-day-life."
By the way; the Afica champions of womens soccer are from Nigeria, and today they competed against France at the opening game. And here and there you can find impressing photos of the nigerian photographer Andrew Esiebo.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Shape of things





Seit dem 30 Juni 2010 gilt Köln als vierte Millionenstadt Deutschlands. Xijia ist für ein halbes Jahr hier, um an einer Schule Deutsch zu lernen. Vorher war er für 4 Jahre in New York um Mathematik zu studieren; mit 8 Millionen Einwohnern immerhin die größte Stadt der USA. Ganz andere Dimensionen kennt Xijia allerdings aus seiner Heimatstadt Shanghai: dort leben über 23 Millionen Menschen. China ist ein Land im steten Wandel, erklärt mir Xijia: "Es wird sehr viel gebaut dort. Über­all sind Baustellen, und alles ist dau­ernd neu und anders als man es kannte." Die Zeit in New York hat ihm sehr gut gefallen: "Aber ich denke und fühle chinesisch." Ich frage Xijia, wie er mit wenigen Worten die chinesische Seele bechreiben würde: "...als natürlich. Alles hat einen natürlichen Ur­sprung." Das wundert mich, denn ich habe gerade im Reisebericht eines Freundes "China als die Fabrik der Welt" beschrieben bekommen, mit einer sehr eindrücklichen Schilderung von viel Smog und wenig Grün. "Da ist was dran" sagt Xijia "aber trotzdem haben wir einen direkten Bezug zu den Dingen, die uns umgeben. Das ist sehr unmittelbar. Man kann das gut an Schrift­zeichen erkennen: früher waren die Zeichen an die Kontur der Dinge angelehnt. Die Form der Sonne, oder vom Wasser beispielsweise wurde mit wenig Strichen wiedergegeben, ohne abstraktes Denken. Heute ist das Zeichen für Wasser anders, aber die Art zu schauen, die ist immer noch sehr natürlich und unverfälscht."
Since June 2010 Cologne is one of Germanys citys with over 1 million inhabitants. Xijia came to Cologne to learn the german language at a school. Before he studied mathematics in New York for 4 years; with 8 million inhabitants the most populous city in the USA. But Xijia is accustomed to a much larger dimension in his hometown Shanghai: over 23 million people live there. China is a country of permanent change, he explains to me: "There are many construction areas all over the place, and a lot of things get builded. Everything changes, and is different than you knew it before." He liked his time in New York: "But I think and feel chinese." I ask Xijia to explain the chinese soul in a few words: "...it's natural. Everything has a natural source." I'm surprised, because I very well remember the travel report of a friend, calling "China as the factory of the world", clearly describing a lot of smog and very few green environment. "There is something to this," Xijia says, "but anyway chinese people bear a directly reference to their surrounding things, it's very straight. You can clearly see that by the chinese characters; formerly they used to be based on the shape of things. The sun, or water for example, they were painted with only a few lines, without abstract thinking. Nowadays the sign for water has changed, but the way of looking at things still is very natural, and pure."

Samstag, 18. Juni 2011

...was sonst ungesagt bliebe





"Ich ziehe mich nicht bunt an, um auf­zufallen, sondern manchmal zieh ich mich nicht bunt an, um nicht aufzufallen." Das sagt Elena, die ich unmittelbar nach einem stürmischen Platzregen anspreche, und anschliessend im Eilschritt zum Bahnhof begleite, um noch ein wenig mit ihr sprechen zu können. Und genau genommen sagt sie diesen Satz auch erst dort. Vorher, auf dem Weg, erzählt sie mir von ihrer soeben vollbrachten Aufnahmeprüfung an einer Kunstschule. Elena kommt aus Ham­burg. Sie hat Heilpädagogik studiert, und möchte sich mit dem Kunststudium zur Kunsttherapeutin weiterentwickeln: "In der Kunst ist alles möglich. Kunst kann ausdrücken, was sonst ungesagt bliebe; das gilt für alle Menschen, da gibt es keine Behinderung." Ob sie an der Schule ge­nommen wird oder nicht kann sie nicht absehen: "Aber es hat mir dort gefallen, und das allein ist schon gut. Zu sehen, dass es so einen Platz gibt." In ihrer Mappe sind Bilder, mit denen sich Elena beworben hat, und es ist leider so wenig Zeit, dass ich nicht einmal frage, ob sie mir davon etwas zeigen würde.
Elena, gib doch mal Bescheid, wie es ausgegangen ist...
"I don't dress colorful to get attention, but sometimes I don't wear colors so as not to get attention." Elena says, who I approach immediately after a stormy cloudburst. Then I accompany her on her way to the trainstation, to catch my chance to talk to her for a while. An to be exact she says these words there. Before, on our way, she tells me about her entrance examination at a school of arts, which she just passed. Elena is from Hamburg, and she has studied therapeutic pedagogy. She wants to improve herself further by studying arts, and become an art therapist: "Art makes anything possible. Art enables to express things, which would be kept unsaid otherwise. That applies to all humans, disability doesn't count at all." Elena can't foresee if she will be admitted or not: "But anyway I liked the place, and it's good to know, that a place like that exists." In her huge portfolio she carries her paintings and drawings, and she's in such a hurry that I don't even ask if she would let me have a look. Elena, please let us know how it turned out...

Montag, 13. Juni 2011

Zeitreise


Kürzlich kam "Kleider machen Deutsche" in der ARD, eine zweiteilige Dokumentation über "Kleidung im Spiegel der Zeiten" von Katarina Schickling. Leider habe ich beide Teile verpasst, was ich höchst bedauerlich finde. Deswegen nun die Frage: Wer hat's gesehen?
Und noch ein paar Fotos zum Thema Kleid-Zeitreise. Bitte hier entlang....
Lateley there was an interesting documentary report in two parts on television: it was about the germans and their clothes,their way of getting dressed, the meaning of clothes, and so on, and unfortunately I missed both parts. So, asking if anybody has seen it,  today I show some photos I took, which match the topic journey through times. Please follow...

Donnerstag, 9. Juni 2011

Publikum





Frau S. ist zu Besuch in Köln und bis zu ihrer Abreise am Abend hat sie noch zwei Ziele: "Ich möchte mir das Richter-Fenster im Dom ansehen, und danach ins Museum Ludwig." Mit diesen beinahe beiläufigen Äußerungen beginnt unser Gespräch, in dessen Verlauf mir rasch klar wird, dass Frau S. sich in ihrem Leben immer sehr der Kunst gewidmet hat. "Sich delektieren" ist das Wort, das sie gebraucht um zu beschreiben, was sie an der Kunst so fasziniert. Sich erfreuen, ergötzen, sich laben, sich gütlich tun, so erklärt der Duden dieses Wort, und auch Frau S. übersetzt es ganz ähnlich. Ihre Liebe zur Kunst umfasst alle Formen des Ausdrucks: Malerei, Musik, Literatur... Und so man­chen Künstler hat sie persönlich kennen­gelernt; Beuys, den Fotografen Lucien Clerque, der sie auch fotografiert hat, oder Stockhausen. Ich frage sie wie es ist, jemandem wie Stockhausen zu begegnen: "Ach wissen sie, ich war ja so beeindruckt von ihm. ...das soll man ja nicht machen, jemanden so auf einen Sockel heben." 
Einmal,  in den sechiger Jahren, hat Frau S. an ihrem Radio rumgedreht, und auf diese Weise John Cage entdeckt: "Sowas hatte ich noch nie gehört, das war revolutionär." Sie selbst hatte nie den Impuls sich in einer Kunstform auszu­drücken: "Ich bin das Publikum. Das muss es ja auch geben." Für Frau S. ist Kunst Genuß: "Kunst kann tiefe Freude auslösen. Glück. Warum das so ist, das kann ich gar nicht sagen."
Mrs. S is visiting Cologne, and still are some hours left, until her train is leaving back home. "I want to have a look at the Richter-Window at the cathedral, and afterwards I want to visit the Museum Ludwig." Telling this, almost as a sideline, our conversation begins, during which I quickly realize that Mrs. S has applied herself to arts her whole lifetime. Art regales, she tells me, and she finds some more words to describe what she means: to delight in or to feast on art, to delve into it. Her love of art includes varying forms of expression: Paintings, music, literature...And Mrs. S became aquainted to quite some artists in person: Beuys, the photographer Lucien Clerque, who took photos of her as well , or Stockhausen. I ask her how it was to meet someone like Stockhausen: "Well, you know, I was so deeply impressed by him... it's not good to put somebody on a pedestal."
Once, back in the sixties, she was trying to set her radio to a new station, and so, by coincidence, she got to know the music of John Cage: "I'd never heard something like that before. It was revolutionary." She personally never felt like impressing herself by arts: "I'm the audience. That matters, too." To Mrs S. art is pleasure. "Art can arouse great delight. Bliss. I can't even explain why."

Dienstag, 7. Juni 2011

Tutanchamun





Als ich Frau M. frage ob ich sie foto­grafieren darf, und ihr erkläre wofür, lacht sie kurz und sagt: "Ha, da sind sie richtig bei mir. Heute ist mein erster Ausflug seit sechs Jahren. Und ich genieße ihn sehr." Vielleicht ist es genau das, was meine Aufmerksamkeit gefangen genommen hat; Frau M. hat sich sehr genau umgesehen, bei jedem Schritt. An diesem besonderen Tag hat sie sich eine lang gehegte Sehnsucht erfüllt: die Tutanchamun-Aus­stellung, die derzeit in Köln verweilt. "Ich hab ein Faible für Ägypten, obwohl ich noch nie dort war. Und ich komme wohl auch nicht mehr hin." Frau M. ist 86 Jahre alt, und in den letzten sechs Jahren hat sie ihren Mann gepflegt: "Nun ist er in einem Pflegeheim. Da besuche ich ihn jeden Tag, aber ich kann jetzt eben auch mal wieder etwas unternehmen." Mit großer Begei­sterung empfiehlt sie mir die Ausstellung, und betont deren anschauliche und multi­mediale Präsentation.
Frau M. ist gelernte Krankenschwester, und war im Alter von 17 bis 19 im Frontlazarett im Einsatz; bis Kriegsende. Das war eine schlimme Zeit, wie sie sagt. Die Begegnung mit Frau M. berührt mich sehr, und ich kann nicht anders als hier von ihrer hellwachen, humorvollen und zugewandten Art zu schwärmen.
Wenn Frau M. über etwas nachdenken muss, oder einfach wieder zu sich finden will, dann legt sie Musik von Bach auf: "Das kann ich nur empfehlen. Eine Kantate, oder eine Passion. Das ist Musik, die einen in eine empfängliche Stimmung versetzt. Das hilft."
When I ask Mrs. M for a photo, explaining her what for it is, she laughs and replys: "Well, then you definitely bang on target. This is my first side trip since six years. And I enjoy it so much." Maybe exactly this is the reason why she caught my attention; Mrs. M. glanced around in a diligent way, at each step. On this special day she fulfilled herself a long-felt want: the Tutankhamun-exhibition, which currently stays in cologne: "I have a yen for Egypt, although I've never been there, yet. And probably I won't make it there anymore." Mrs. M. is 86 years old, and during the last six years she took care for her husband: "Now he's admitted to a nursing home. I visit him every day, but now I have the opportunity to make a trip from time to time." She enthusiastically recommends the exhibition to me, pointing out it's descriptive and multimedia presentation.
Mrs. M is a trained nurse, and at the age from 17 to 19 she was on duty in a military hospital. This has been a rough time, she says. Meeting Mrs. M. touches me, and I can't help enthusing about her very alert, humorous and approachable appearance.
If Mrs. M. needs to contemplate, or just to come to rest again, she listens to music of Bach: "I can highly recommend that. A cantata or a passion. This music creates a receptive atmosphere. That helps."

Sonntag, 5. Juni 2011

Mentor





Zwischen dem ersten und dem zweiten Studium von Herrn Müller liegt ein langes, intensives Berufsleben. Als er mit 66 Jahren pensioniert wurde ("...ich hätte ja lieber noch weiter gearbeitet, aber das ging nicht.") hat er einfach noch mal 9 Semester studiert. Und zwar das gleiche wie beim ersten Mal: Chemie. "Es hat sich ja so vieles geändert." Allerdings bleibt auch einiges beim Alten, wie Herr Müller betont: "Wenn man von der Uni kommt, dann hat man zwar einen Abschluß oder ein Diplom. Aber können...kann man eigentlich nichts." Deswegen ist es, seiner Meinung nach, auch so wichtig, dass man eine Arbeit findet die einen Erfahrungen sammeln lässt, und am besten auch einen Mentor: "Sie brauchen jemanden, der sie mitzieht. Jemand der ihnen hilft, der sie unterstützt. Und der ihnen auch mal vor die Knochen tritt und sagt: 'Na, Müller, das war aber 'ne schwache Leistung...' Es ist wichtig, dass man in eine Gemeinschaft fällt, in der es einen Gründungsgedanken gibt, wo Entwicklung stattfinden soll."
Inzwischen studiert Herr Müller nicht mehr. Er war lange krank, und nun erholt er sich. Aber er denkt gerne an die Zeit zurück, in der er auch selbst noch Referate gehalten hat, und mittags mit seinen viel jüngeren Mitstudenten in die Mensa gegangen ist.
Between Mr. Müllers first and his second study he had a long and intense pro­fessional life. When he retired at the age of 66 (...I'd rather would have kept on working, but they didn't let me.") he decided to visit the university again. And again he studied Chemistry, like he did the first time: "So many things have changed in the meantime..." But there are some things which never change, as well,  Mr. Müller points out: "If you leave the university you may have earned a degree, or you're awarded with a diploma. But you're still a beginner, you don't know much." For that reason, to Mr. Müllers opinion,  it is so important to find a good job, which enables one to make experiences, and at best to find a mentor, as well: "You need someone who takes you under his wings, who lends you his support, and who says his piece, from time to time, like: 'Well, Müller...this was quite a lousy performance..." It's important to find ones place in a community with a founding conception, with the ambition of develop­ment."
By now Mr. Müller doesn't study anymore. He was seriously ill, and now he takes his time to get well again. But he likes to remember those days when he presented a paper at the university, or when he had lunch at the canteen with his classmates, who where many years his junior.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Spieltrieb





Linda kommt eine der schönsten, kleinen Strassen Kölns entlang gelaufen, in die sie perfekt hinein passt. Aber ich bin abge­lenkt und sehe sie erst, als sie schon fast an mir vorbei ist. Sie biegt ab und ver­schwindet im Drogeriemarkt. Dort bleibt sie sehr lang, und ich muss an Herrn Z. denken, den ich kürzlich in derselben Strasse fotografiert habe. Auch auf ihn habe ich ausgiebig vor einem Geschäft ge­wartet.
Linda hat gerade Abitur gemacht, und nun überlegt sie, wie ihr Leben weiter geht: "Das ist eine wichtige Zeit für mich momentan!" Ein klares Ziel hat sie jeden­falls: Linda möchte Schauspielerin werden. In den letzten Jahren war sie bereits bei den rheinischen Rebellen vom Schauspiel­haus Köln aktiv, und hat auch sonst schon in anderen Theatergruppen mitgewirkt. Ich frage sie, was sie am Beruf des Schau­spielers besonders reizt: "Dass ich mich nicht festlegen muss auf nur eine Rolle im Leben. Dass ich nicht Obstverkäuferin werde, oder Lehrerin, und dann eben Obstverkäuferin bin, oder Lehrerin. Als Schauspielerin kann ich immer neu sein, muss mich in immer andere Rollen ein­finden."
Linda walks along one of Colognes most beautyful, little streets, and she matches perfectly. But for the reason that I'm a bit distracted she catches my attention not until she almost has passed by. She walks around the corner and enters a drugstore. She stays in there for quite a while, and this remembers me on Mr. Z, who I recently photographed at exacty the same place. I also had to wait for him patiently , in front of a shop.
Linda just finished high-school, and now she considers how to start her new stage of life: "This is an important time for me!" And she has a clear aim: Linda wants to become an actress. During the last years she was a member of the youth-club of the Cologne theatre, already, and she participated in different theatre-groups. I ask her what she considers so fascinating about the acting profession: "That I don't have to tie myself down to only one role in my life. That I will not become a fruit seller, or a teacher, and then being a fruit seller or a teacher afterwards. As an actress I can be any person, I steadily need to invent new characters."


Angus & Julia Stone - "Hold On" music video from The Silentlights on Vimeo.
Auf Lindas Kopfhörern läuft passender­weise gerade "Hollywood" von Angus and Julia Stone. (hier zu sehen "Hold on")


Für seinen Film "Die Spielwütigen" hat Andreas Veiel über einen Zeitraum von sie­ben Jahren vier junge Schauspielschüler be­gleitet; von den Aufnahmeprüfungen bis hin zum Abschluss und den ersten Engage­ments. Der Film vermittelt äußerst ein­drücklich, mit welcher Intensität die Schüler sich dem Spagat zwischen mutiger, persönlicher Exploration und der ausdrucksstarker Expression auf der Bühne hingeben.
With her earphones Linda listens to "Hollywood" from Angus and Julia Stone at the moment, a title which also matches perfectly. (This video shows "Hold on")

In his documentary film "Overready to play" (my translation...) director Andreas Veiel accompanied four young acting school students over a period of seven years; beginning with the entrance examinations, ending with the first engagements after study. The film impressionably discribes the  intensity of the students process of courageous, personal exploration and tellingly expression on stage.