Mittwoch, 31. August 2011

Just a normal person





Seinen 70. Geburtstag hat Clem in Paris gefeiert. Das war im Juli und er ist dafür extra aus Australien angereist, wo er lebt.  Seitdem fährt er kreuz und quer durch Europa. Vier Monate nimmt er sich für seine Reise Zeit, im Oktober fliegt er zu­rück nach Hause. Er war bereits in Frank­reich, Italien, Spanien. Gerade kommt er aus München, die nächste Station ist England. Mehr kann er aber nicht voraus­sagen, denn Clem hat keinen festen Reise­plan.
Früher war Clem beim State Government angestellt, in der Abteilung Strassen­bau. "Wir haben Strassen zu den Goldminen geplant und gebaut." Das klingt in meinen Ohren exotisch, aber Clem betont immer wieder, er sei "just a normal person." und er wundert sich, dass ich ausgerechnet ihn anspreche.
Clem hat einen Zwillingsbruder, der ihm zwar ähnlich sieht: "Er ist nicht ganz so dünn wie ich", aber doch ganz anders ist: "Viel ernster."  Aber Clem hat noch mehr Geschwister: "Mein Vater hat 20 Kinder bekommen. Mit drei Ehefrauen." Die letzte Frau war Clems Mutter. Sie hat 5 Söhne zur Welt gebracht. Als Clem 5 Jahre alt war ist sie gestorben. "Meine Mutter stammte von den Maori ab. Sie hatte kräftige Arme, mit denen sie mich umarmt hat. Das ist meine einzige Erinnerung an sie. Aber es ist die beste, die man haben kann."
His 70th birthday Clem celebrated in Paris. That was in july and he especially travelled all the way from Australia for this. Since then he travels all across Europe. He takes 4 months time for this, in october he'll go back home again. He's yet been in France, Italy, Spain. He just arrived from Munich and his next destination is England. But he can't tell more yet; Clam doesn't travel having a fixed plan.
Formerly Clem used to work at the state government, at the road building department. "We planned and constructed roads to the goldmines." This sounds exotically to my ears, but Clem keeps pointing out, that he's 'just a normal person", and he wonders that I approach him of all people.
Clem has a twin brother, who looks quite similar: "He's not as skinny as I am", but who is quite different: "Very serious." But Clem has even more siblings: "My father has 20 childrem with three wifes." His last wife was Clems mother, and she gave birth to 5 sons. When Clem was 5 she died: "My mother came of the maori. She had those big arms, with them she hugged me. That's my only memory of her, but it's the best one can have."


Das Beste am Reisen ist in Clems Augen, dass man so viele Menschen trifft. Das Wichtigtse im Leben ist, dass man sein Leben nicht für andere lebt. "Das klingt vielleicht ein wenig selbstsüchtig. Aber man darf sich nicht von anderen klein machen lassen, oder sich anpassen, nur um akzeptiert zu werden."
Früher hat Clem auch mal als Sport­kommentator im Radio gearbeitet. "Das war eher ein Hobby. Ich war auch kurz beim Fernsehen." Aber da hatte er Streit mit seinem Vorgesetzten, und sie haben sich schließlich geprügelt: "Naja, ich war sehr jung, und noch dumm." Er überlegt kurz: "...oder vielleicht auch gerade nicht. Vielleicht auch nicht." sagt Clem und lacht.
The best thing about travelling is, in Clems view, that one meets so many people. The most important thing in life is not  to live his life for others. "That sounds maybe a little bit selfish, but one shouldn't allow other people to get you down, you shouldn't suit others, just to become accepted."
Formerly Clem has worked also as a sports commentator for a radio station. "That was kind of a hobby. For a short time I've been working for the television, as well." But he had a row with his superior, and they even had a brawl. "Well, I was very young and stupid." He thinks for a moment: "...or maybe not. Possibly maybe not." Clem says with a laugh.

Sonntag, 28. August 2011

Reisemann


"Ja, wollen Sie mal mit zu mir kommen?" fragt Frau B. nach einer Weile. "Ich wohne gleich hier vorne." Munter, das beschreibt meinen ersten, und auch die folgenden Eindrücke, die Frau B. auf mich macht. Dass ich sie fotografieren möchte belustigt sie, aber sie möchte gerne genau wissen, warum ich das mache. "Ah, da sind Sie bei mir richtig; Geschichten kann ich erzählen. Ich habe die ganze Welt gesehen." Die ganze Welt? "Ja, die ganze Welt. In China bin ich nur bis Shanghai gekommen, aber ansonsten war ich überall. Auf allen Kontinenten, in allen Ländern." Mit 60 hat Frau B. ihren 2. Mann geheiratet, der 10 Jahre älter war als sie. "Wir kannten uns aber von früher, seit wir jung waren." Beide waren verwitwet. "Aber wir mochten uns ja damals schon." Ihr Mann war immer schon gern gereist, aber so richtig los ging es damit erst, als er in Rente gegangen ist. Geplant hat stets er die Reisen, sie hat die Koffer gepackt, und zuhause alles organisiert. "Einmal saßen wir im Flugzeug auf der Heimreise, da sagt er: 'Sei mir nicht bös', in drei Tagen fliegen wir schon wieder weiter.' " Reisemann, so nennt sie ihn, wenn sie über ihn spricht: "Das war der Reisemann."
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"Well, do you want to come home with me?" Mrs. B. invites me after a while. "I live just around the corner." Vivacious, that describes my first and the following impressions I have of Mrs. B. She's amused that I want to take a photo of her, but she want's to know excactly what for I do all this. "Ah, well, you've come to the right woman; I truly can tell storys. I've seen the whole world." The whole world? "Yes, the whole world. In China I just made it to Shanghai, but apart from that I've been everywhere. At all continents, in all countrys." When Mrs. B was 60 years old, she married her second husband; he was 10 years older than her. "We knew us of yore, since we were young." Both of them were widowed. "But we were fond of each other already well before." Her husband used to travel his whole life long, but it all began in earnest when he retired. He always planed their travels, and she packed the bags and oraganized everything at home. "Once, at the plane when we were at the return-flight, he said: 'Don't get mad at me, but in three days we'll continue our journey.' " Travelman, that's how she calls him, when she speaks about him: "He was the travel-man."
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Samstag, 27. August 2011

Hurra!





Treffen sich ganz zufällig zwei rothaarige Bloggerinnen in Aachen. Die eine bin ich, die andere ist Eva. Hier im Bild mit karierter Bluse: "Oh, das ist das Outfit, mit dem ich grad dauernd im Netz zu sehen bin..., na, egal." Ich darf sie also fotogra­fieren, und wieder freue ich mich, jeman­den, dem ich in der Online-Welt begegnet bin, auch im echten Leben zutreffen.
Eva's Blog heißt Hurra-Blog, und leider ver­passe ich die Gelegenheit zu fragen, wie sich dieser Titel wohl erklärt. Allerdings strahlt Eva 'beim Sein' derart viele Sekunden-Hurras aus, die irrlichtgleich und doch ganz unanstrengend um sie herum schwirren, dass die Frage letztlich gar nicht aufkommt.
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Two redhead-bloggers accidentally meet in Aachen. I'm one of them, Eva's the other one; in the shot above with her chequered blouse: "Oh, currently I always appear in this outfit on the web..., well, doesn't matter." So I may take a picture of her, and again I'm happy to meet someone in real life as well, who I first met online.
Eva's blog is called Hurrah!-blog, and unfortunately I miss my chance to ask for the background of this title. But on the other hand Eva radiates so many hurrah's per second, that this question simply doesn't occur.
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Donnerstag, 25. August 2011

Gospel





"Also, für mich ist der Glaube das wichtigste" sagt Agnes sofort, nachdem ich ihr erklärt habe warum ich sie anspreche. "Früher bin ich einfach so mit meinen Eltern in die Kirche gegangen, aber ich bin nur mitgegangen. Dann habe ich den Glauben wirklich für mich selbst entdeckt." Agnes sagt, das habe sie sehr verändert: "Ich bin immer noch ich, aber ich bin offener zu den Menschen." In ihrer Freizeit singt Agnes im Gospelchor ihrer Kirche, und sie unterrichtet auch Kinder: "Wir üben Lieder ein, und singen zusammen. Das ist toll. Das ist meine Leidenschaft." Als ich sie fotografiere steht sie da und guckt in meine Kamera, aber sie sie guckt auch mir genau zu: "Ist das deine Leidenschaft?" fragt sie dann, und wirkt amüsiert.
Agnes hat gerade ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau beendet: "Bei Aldi. Und sie haben mich auch übernommen."
Zum Abschied schreibt Agnes mir noch einen Gospelsong auf, den sie besonders gerne mag:  Kiss of heaven, oder auch Draw me close to you.
"To me faith is of most importance." Agnes says directly after I explained why I approach her. "Formerly I just went to church with my parents, but I just accompanied them. Then I really discovered faith for myself." Agnes says, that has changed herself totally: "I mean, it's still me, but I'm more openminded against other people." In her spare time Agnes sings in aGospel choir, and she also teaches children: "We rehearse songs, and we sing together. That's great. That's my passion." While I take photos of her she looks into my camera, but she also keeps a wary eye on me: "Is that your passion?" she asks me, seeming to be tickled.
Agnes just finished her apprenticeship, she's now a retail saleswoman at a discounter: "And they also engaged me further."
Finally Agnes writes down a Gospel song she likes most: Kiss of heaven, or Draw me close to you.

Sonntag, 21. August 2011

"Dare, care, be curious"





In genau 10 Tagen zieht Hanna nach Göteborg in Schweden. Dort wird sie studieren: "Design." Welche Art Design, frage ich: "Oh, das ist das Gute, man muss sich erst mal nicht festlegen. Man kann ausprobieren, und dann entscheiden." An der HDK in Göteborg wird eine Art 'ganzheitlicher' Design-Ansatz verfolgt, der neben Gestaltung und Formgebung den Menschen und die Gesellschaft in der er lebt in den Mittelpunkt stellt. "Dare, care, be curious" ist ein Leitspruch der Schule, den ich ungefähr so übersetzen würde: "Wag etwas, sei achtsam, sei neugierig." So, wie Hanna über ihre Freude und Aufregung bezüglich ihres Studiums spricht scheint sie das Motto allein mit dem Schritt nach Göteborg zu gehen bereits perfekt umzusetzen.
Wichtig ist für Hanna, dass die Dinge die sie tut für sie einen Sinn haben: "Ich meine gar nichts spezielles, aber zum Beispiel etwas für Freunde tun, sowas."
In excactly 10 days Hanna will move to Gothenburg in Sweden. There she will start her study: "Design." What kind of design, I ask her: "Oh, that's the good thing, you don't need to specify in the beginning. One can try out things, and then you decide later." The HDK in Gothenburg puts the concept of teaching design in it's entirety into practice, which highlights both formgiving and human considerations of a society and it's physical environment. "Dare , care, be curious" is the pronounced maxim of the school. The way Hanna talks about her anticipation and excitement concerning her study, she seems to perfectly effectuate the motto yet, just by moving to Gothenburg.
Hanna considers important in life, that the things she does make sense to her: "I don't mean anything special, doing things for friends, for example, something like that."


Hanna ist in der Nähe von Stockholm aufgewachsen, aber sie spricht so gut deutsch, dass ich erst nach einer Weile eine andere Sprachfarbe heraushöre. Ich treffe sie in Aachen, wo sie eine Freundin besucht. Als ich sie anspreche ist sie gerade auf dem Weg zum Frühstück: "Ich hol mir was dahinten im Bio-Super­markt, und setz mich dann damit in den Park."
Hanna grew up close to Stockholm, but she speaks perfectly german, and it takes me a while to recognize another colour of language. I meet her in Aachen, where she's just visiting a friend. When I approach her she's on her way to have some breakfast: "I'll go and get me something down there at the bio-super­market, and then I sit down at the park down there."

Donnerstag, 18. August 2011

"...ein sauberes Herz"





Tseten ist das erste Mal in Europa. Sie ist 81 Jahre alt und stammt aus Tibet. 1969 ist sie vor den Chinesen nach Indien geflohen; sie lebt dort in Bangalore, der Hauptstadt von Karnataka. Tseten hat 4 Kinder, und die leben in der Welt verstreut; eine Tochter lebt in New York, eine in Belgien, ihr Sohn lebt in München, aber eine Tochter ist auch in Indien bei der Mutter geblieben. Als ich Tseten anspreche ist zum Glück ihr Sohn dabei, der für mich übersetzt. Eigentlich besucht Tseten gerade für 4 Wochen ihre Tochter in Belgien, aber für 2 Tage machen alle ge­meinsam einen Ausflug nach Köln. Ich frage wie es für Tseten ist, eine Welt zu sehen, die so anders ist als die, die sie kennt. "Ja, es ist ein bisschen ein Schock.", gibt der Sohn ihre Antwort wie­der. "Alles ist viel, und sie ist müde."
Dass ich sie anspreche und fotografiere findet Tseten nicht seltsam, antwortet sie ihrem Sohn auf meine Frage. Ich zeige ihr die Fotos, sie lächelt und nickt, berührt mich an der Schulter und sagt etwas zu ihrem Sohn. "Sehr hübsch, sagt sie." sagt er.
Tseten is for the first time in Europe. She's 81 years old and originally she's from Tibet. In 1969 she fled from the Chinese to India. There she now lives in Bangalore, the capital of Karnataka.. Tseten has 4 children, who are liveing all over the world: one daughter lives in New York, one in Belgium, her son lives in Munich, but one daughter still lives with her mother in India. When I appraoch Tseten her son luckily is with her, and he translates for me. Tseten actually visits her daughter in Belgium for 4 weeks, but for 2 days they're all together on a trip to Cologne. I ask how it is for her, to visit a world, which is so totally different from the world she usually knows. "Yes, it's kind of a shock." her son repeats her answer. "It's a lot for her, and she's tired."
That I approach her, asking for a photo doesn't make her wonder, she answers her son on my question. I show the pictures to her, she smiles and nods, touches my shoulder lightly and says something to her son. "Very nice, she says." he says.


Wichtig im Leben ist für Tseten: "...ein sauberes Herz." übersetzt der Sohn, und macht dabei eine Armbewegung, die den gesamten Oberkörper beschreibt.
"Religion, Zufriedenheit....und in einer Ge­meinschaft zu sein, im Einvernehmen mit anderen."
In life Tseten considers "...a clean heart." important, her son translates, making a gesture which includes the whole upper body.
"Religion, contentment...to live in a com­munity, in a good understanding with others."

Sonntag, 14. August 2011

Dieses ewige mehr, mehr...





Dietrich ist um die ganze Welt gekommen. Er war auf allen Kontinenten, manchmal für eine lange Zeit. Er ist Zimmermann und Architekt gewesen, und heute arbeitet er, quasi ehrenamtlich, in einer kleinen Schrei­nerei in Ehrenfeld: "Aus Freude an der Arbeit, und damit mir die Zeit nicht zu lang wird." Dietrich ist 74, und wenn er auch nur ein kleines bisschen aus seinem Leben erzählt wird schnell klar; der Mann steckt voller Geschichten. Als Architekt war er "in Beton tätig, wie man in der Branche so sagt. Ich hab viele Brücken gebaut, gerade im Ausland, ich war aber auch Schiffszimmermann, ach ich hab so vieles gemacht." In Köln war er am Bau der Zoobrücke beteiligt: "Ja, da war ich noch ganz jung. Ich war da als kleiner Bauleiter, und Vermessungen und so."
Ich frage Dietrich was ihm, der so viel von der Welt gesehen hat, im Leben wirklich wichtig ist: "Die Menschen, die man kennt, und die einen umgeben." Er überlegt einen Moment: "Gemeinschaft ist wichtig. Wissen Sie dieses ewige 'mehr, mehr...' in unserer Gesellschaft, das verabscheue ich."
Dietrich has travelled the world. He's been to every continent, sometimes for quite a long time. He was a carpenter and architect, and today he still works in a carpentery, honorary so to say. "Just for the fun of it, and to prevent that time hangs heavy on my hands." Dietrich is 74 years old, and if he starts telling only a bit of his life, one can clearly recognize that this man is full of storys. As an architect he was "busy in concrete, as we say in this business. I have built a lot of bridges, mostly abroad, but I also worked as a ship carpenter, well, I've done so many things." In Cologne he was engaged when the Zoo-bridge was built: "Yeah, I was very young back then, I've been a little construction manager, I did measurings and stuff like that."
I ask Dietrich what he, as a well-travelled man, considers really important in life: "The people you live with, who surround you." He pauses for a moment: "Community is of importance. You know, this permanent 'more, more' in our society, I detest it."




"Je ärmer die Menschen in einer Gesell­schaft sind, desto besser ist ihr Zu­sammenhalt." Das hat Dietrich auf seinen Reisen so erlebt. "Einmal war ich drei Jahre lang auf den Philippinen. Dort hab ich im Dschungel einen Palast gebaut. Ich hatte ein Team von 200 Leuten, alles Ein­heimische. Die waren arm, aber die haben zusammengehalten. Die waren irgend­wie glücklich. Mehr als die Menschen hier."
Bevor Dietrich Zimmermann geworden ist hat er einen anderen Handwerksberuf ge­lernt. "Ich hab auch ein Jahr lang als Geselle gearbeitet. Aber das war nicht das richtige."
Tja, hiermit also lade ich ein zum dritten Teil des heiteren Beruferatens: Was war wohl der erste Lehrberuf von Dietrich?
"The poorer a society is, the better they built a community." That's what Dietrich has experienced on his trips. "Once I lived at the Philippines for three years. I was building a palace in the djungle, with a team of 200 people. All of them natives. They were poor, but they stuck together. They were happy somehow. More than people here."
Before Dietrich became a carpenter he was educated in a different craftmans trade: "I ve been working as jouneyman in this profession for about one year. But it wasn't the right thing for me.
So now I invite you to the third part of "What's my line?" in this blog. What could possibly be Dietrichs first profession?

Mittwoch, 10. August 2011

群青日和 - Gunjou Biyori





Mit einer kleinen Gruppe japanischer Tou­risten steht Tomoko auf der Domplatte. Sie steht allein am Rand, dem Dom und auch der Gruppe den Rücken zugewandt, und schaut mit unbestimmten Blick umher. Sie sieht mal hierhin und mal dorthin, und sie sieht viel nach oben. "Mit Blicken lauschen" denke ich und überlege ob ich sie wirklich stören soll.
Tomoko spricht sehr wenig englisch und sie versteht mehr, als sie selber sagen kann. Mit der Unmöglichkeit konfrontiert sich, für mich verstehbar, auszudrücken, ringt sie nach Worten und antwortet immer erst mal auf japanisch. Aber kein Blitzwissen lässt mich plötzlich japanisch verstehen, und so kommt uns eine Frau aus der Gruppe zu Hilfe. Die übersetzt für Tomoko, ohne mich dabei anzusehen. Es ist eher, als würde sie heimlich 'einsagen', und Tomoko wiederholt dann das Gehörte.
Tomoko lebt in der Nähe von Tokyo, sie ist 20 Jahre alt, und sie studiert Pharmazie. Sie hat 9 Tage Urlaub, und gerne hätte ich sie gefragt, wieviel eigentlich an meinem Bild dran ist, dass Japaner hastige Gruppenurlauber sind.
With a small group of japanese tourists Tomoko is standing in front of the cologne cathedral. She stands all by herself on the fringe of the group, with her back to the cathedral and to her group, as well. She looks here and she looks there, and quite often she looks upwards. "Listening by glance" I think, and I consider whether I shall disturb her, or not.
Tomoko only speaks a little english, and she understands more then she can talk by herself. Faced with the impossibility of talking in words I could understand, she struggles for words, and first she always answers in japanese. But no sudden language-shot enables me to understand her, and so a woman from the group helps us. She translates for Tomoko, but she doesn't look at me for almost the whole time. It's more like she furtively prompts Tomoko, who repeats what she's hearing.
Tomoko lives close to Tokyo, she's 20 years old and she studies pharmacy. She's on vacation for 9 days, and I'd liked to ask her, if there is something to my idea that japanese people are hastily group-travellers.


Wichtig im Leben sind für Tomoko ihre Familie und ihre Freunde. Ich frage, ob sie eine große Familie hat: "Nein, nur drei Menschen."
Außerdem hört sie gerne Musik, zum Beispiel die Gruppe Tokyo Jihen, mit der Sängerin Ringo Shiina. Sie empfiehlt mir Gunjou Biyori, und mit japanischen Schrift­zeichen schreibt sie mir den Titel auf, in dem es um den perfekten Tag mit blauem Himmel geht.
Hier noch eine etwas ruhigere Fassung des Stückes.
Her Family and her friends are of great importance in Tomoko's life. I ask her, if she has a big family: "No, only three people."
Furthermore she enjoys listening to music, of Tokyo Jihen for example, featuring Ringo Shiina on vocals. She recommends 'Gunjou Biyori', and in japanese signs she writes down the title for me, which in english is translated as "Ideal days for ultramarine."
Here you find another version of that song; a more calm one.

Mittwoch, 3. August 2011

Nichts bereuen





Zwei Mal kurz hintereinander läuft mir Eva in Freiburg über den Weg. Das erste Mal sehe ich sie im benachbarten Gang in einem Geschäft, das zweite Mal kurz danach auf der Straße. "Stil vor Talent" weckt endgültig meine Neugier, und so laufe ich ihr hinterher. Eva lebt in  Berlin, wo sie studiert hat: Kunstgeschichte und Theaterwissenschaften. Nun überlegt sie noch ein bisschen weiter zu studieren, denn ihr Ziel ist es Theaterkritikerin zu werden. Zwei bis drei mal pro Woche geht Eva ins Theater; das beschreibt in etwa die von ihr selbst geäußerte Leidenschaft für's Medium. Ich frage, welches Stück sie in der letzten Zeit beeindruckt hat: "Oh, einige...Woyzeck auf jeden Fall, am deutschen Theater." Robert Wilson hat dafür das Konzept entwickelt, (erneut) in Zusammenarbeit mit Tom Waits, der die Musik dazu geschrieben hat. Auch wenn ein Video ganz sicher nicht die Atmosphäre der Bühne zu transportieren vermag; hier gibt es dennoch eines.
Lesen kann man allerdings auch etwas über das Stück, und zwar von Eva selbst, in ihrem Blog: Milchmädchenmonolog
Eva catches my attention twice in only a few minutes. She first crosses my way in a shop in Freiburg, and a short while later I meet her at the street.  Stil vor Talent; "Style before talent" finally arouses my curiosity, and so I run after her. Eva lives in Berlin, where she just finished her study: art history and theatre arts. Now she considers starting a follow-up study, for the reason that she wants to become a theatre critic. Two or three times a week she visits a theatre; that may describe her passion for it. I ask her which play lately impressed her: "Oh, so many...Woyceck, definitely, at the german Theatre." Robert Wilson (again) worked together with Tom Waits, who has written the music for this play. And even though a video possibly isn't able to give an impression of stage atmosphere; here you go.
German readers also have the possibility to read about Woyceck; at Eva's own blog: Milchmädchenmonolog, which means something like 'monolog of a naive girl".


Den Eindruck eines Milchmädchens ver­mittelt Eva nun nicht, und ich äußere meine Irritation über die Wahl des Namens. "Ja, ach, ich fand es klingt schön, und es ist auch ein bisschen selbstironisch, und erst mal ist es ja ein Monolog, den ich führe." Wer mit Eva in Dialog treten möchte sollte ihren Blog besuchen. Dort gibt es keineswegs nur Theaterbesprech­ungen, sondern auch eine Rubrik Unter­wegs (mit einem schönen Beitrag über Wiener Kaffeehäuser) oder auch die Kate­gorie 'Zeitgeistiges'.
Was Eva wichtig ist im Leben? "Dass ich mit mir im Reinen bin...dass ich so lebe, dass ich nichts bereuen muss."
For the reason that Eva doesn't seem to be a naive girl I comment on my irritation about the choise of her blog-title. "Well, oh, I think it sounds nice, and somehow it's a little bit self-mocking, as well. And in fact first it is a monolog." Who feels like entering into a dialogue with Eva may visit her blog, which is full of words, but only in german, unfortunately for all foreign readers....
What Eva considers important in life? "That I'm at peace with myself...that I live my life, not needing to regret things."