Donnerstag, 27. Oktober 2011

Kaffee hoch


Zu meiner täglichen email-Routine gehören Anschreiben, die, so unterschiedlich die Produkte auch sein mögen, die den/die Schreiber veranlasst haben sich zum Zwecke der Gewinnmaximierung an mich und vermutlich Hundert andere Blogger­­innen zu wenden, gewisse äußerliche und inhaltliche Gemeinsam­­keiten aufweisen:
Unterschiedliche Schrifttypen und -größen lassen schnell erkennen, dass vorgefertigte Texte hastig individuell anzupassen ver­sucht wurden. Dabei  entstandene Flüch­tigkeitsfehler, wie z. B. das Nicht-löschen von Formulierungsoptionen, die unter Zuhilfenahme des Slash-zeichens vorberei­tet wurden, tragen zum einen zur unfrei­­willigen Komik bei. Zum anderen aber entlarven sie den Absender als kalkuliert handelnden Menschen und legen die Ver­­mutung nahe, dass Manipulations­absichten nicht nur vorhanden sind, sondern durchaus dominieren.
Überschwängliches Lob und niederträchtige Schmeicheleien runden diesen Eindruck ab.

Lange schon hab ich mit dem Gedanken gespielt, mal ein passendes Antwort­schreiben zu verfassen. Den Duktus nach­zuempfinden fiel, angesichts der Viel­zahl der im Laufe der Zeit eingegangenen mails, nicht allzu schwer.
Bitte sehr, hier geht's los:
My daily-email-routine includes proposals, which are inspired by the wish to optimize the profit of quite a variety of different products. Of course they are sent not only to my account; hundreds of bloggers receive them, as well. Those emails bear a formal and contentual similarity;
Variying fonts and font-sizes indicate that someone has made a hastily try to customize pre-draftet letters, to make them occur individual. Careless mistakes usually come along, for example not to delete semantic options, which are prepared with the help of the slash-sign. This, on one hand,  brings out uninten­tional humour. On the other hand it tells, that the sender is a calculating person, and this must arouse suspicions that mani­pulation strategies doesn't only  exist; they probably dominate.
Exuberant compliments and villainous flatteries complete this impression.



Since a while I've planned to write an answer in the same manner. Well, today I've done so! But: only in german...I'm sorry..
Read more, anyway...



Mittwoch, 26. Oktober 2011

Hofballett





Auf Berenikes Visitenkarte stehen drei Adressen: eine befindet sich in einem kleinen Ort in Oberösterreich, eine in Paris und seit kurzem hat sie auch eine Adresse in Köln. Berenike hat  Theaterwissenschaft studiert, zuerst in Wien, dann in Paris, wo sie die letzten 10 Jahre gelebt hat. Darüberhinaus hat sie eine Schauspiel­ausbildung an einer Privatschule absol­viert, und so kommt es, dass sie auch als Schauspielerin arbeitet: "Das mach ich aber hauptsächlich in Paris, da bin ich in einem kleinen Ensemble." Ich frage, ob sie eine Lieblingsrolle hat: "Oh.." Berenike über­legt: "Jede Rolle, die ich gerade spiele." Momentan schreibt Berenike ihre Doktor-Arbeit: über das französische Hofballett. "Ich hab einmal eine Aufführung einer Compagnie in Paris gesehen, L'Eventail. Das war ganz anderes Ballett als ich es kannte; viel weicher." Das hat sie sehr begeistert. Früher, am Hofe Ludwig des XIV., erklärt Berenike, da war Ballett auch viel weicher in der Bewegung. "Und es waren eher die Männer. die getanzt haben. Heute ist Ballett ja überwiegend weiblich konnotiert, man denkt an die Prima­ballerina und so. Damals haben oftmals Männer die am politischen Leben beteiligt waren, oder die im Krieg gekämpft hatten, getanzt. Das ist ein bisschen, als würden die GI's heute tanzen, nachdem sie aus Afghanistan kommen."
Three addresses are printed on Berenikes card: one is located in a little village in Upper Austria, one in Paris and since a little while there is a third address in Cologne. Berenike has studied theatre studies in Vienna and Paris, where she has lived for the past ten years. In addition to her study she completed a training at a private acting school, and for this reason she works as an actress, as well: "But mainly I do this in Paris, I'm part of a small company there." I ask her, if there is any character she likes most: "Oh..." Berenikes thinks for a moment: " Always the character I play at present." Currently Berenike is writing her thesis on  french court balett. "Once I've seen a performance of a company in Paris: L'Eventail. It was a totally different ballet than I used to know, it was much softer." She was very delighted. In earlier times, at the court of Louis XIV., she explains, ballet movements also used to be more soft. "And back then mostly men used to dance. Today ballet primarily is connoted feminine, prima ballerina and all this. At that time often men who were involved in politics or who have been at war, used to dance. It's like the todays GI's were dancing after coming home from Afghanistan."

Montag, 24. Oktober 2011

Immer jetzt





Für ihren Beruf ist Frau Luig viel unter­wegs, und dabei tifft sie auf Menschen die nicht unbedingt viel, dafür aber lange unterwegs sind, bzw. waren. In der Regel kommen diese Menschen nämlich aus Japan, wie Frau Luig selbst übrigens auch. Sie allerdings lebt seit 44 Jahren in Deutschland; die Menschen die sie trifft hingegen haben ungleich weniger Zeit sich unserer Kultur zu nähern.
Im gesamten Rheinland, ab und zu auch in Frankfurt, führt Frau Luig Stadtführungen durch. Auf meine begeisterte Reaktion erwidert sie: "Ja, geht so. Es kommen weniger Touristen als vorher." Das liegt zum einen am Erdbeben und all seinen Folgen. "Es ist aber auch alles viel teurer geworden, es müssen fast doppelte Preise gezahlt werden. Zum reisen haben die Menschen kein Geld."
Die Frage, was ihr im Leben wichtig ist versteht Frau Luig etwas anders als sie gemeint ist: "Ich habe gar nicht viele Ziele." Sie überlegt einen Moment: "Aber ich nehme alles wichtig, was ist. Egal was ich mache, das nehme ich ernst. Und wenn es nur kochen ist. Was jetzt ist, ist wichtig. Und ich frage nicht nach etwas. Ich nehme an, was zu mir kommt im Leben."
Nach unserer sehr kurzen Begegnung, zu deren Beginn Frau Luig andeutet, dass sie in Eile ist, kann ich diese Aussage nur bestätigen. In diesen wenigen Minuten erlebe ich sie als mir sehr zugwandt, interessiert und hochpräsent. "Viel Erfolg." sagt sie beim Abschied.
Frau Luig ist übrigens 76 Jahre alt.
Mrs. Luig travels a lot, caused by her profession. She meets many people, who probably don't travel as much as she does, but they usually have had a long journey. Most of them are japanese, like Mrs. Luig herself. But she lives in Germany since 44 years; the people she meets have incomparably less time to get to know our culture.
In the whole Rhine-area Mrs. Luig offers guided city tours, sometimes in Frankfurt also. On my enthusiastic comment she replys: "Well, so-so. Less tourists are coming." This, for one reason,  is caused by the earthquake and it's consequences: "But prices are going up. People have to pay almost twice as much as before, and they don't have the money for travelling."
Mrs. Luig obviously understands the question, what she considers important in life, different than it's meant: "I don't have many aims." She ponders for a moment: "But I take everything that happens serious. No matter what it is, if I'm cooking or whatever it is. 'Now' is important. And I don't ask for anything. I accept life as it occurs."
After our very short meeting I simply can confirm these words. In the few minutes we share I witness her as very approach­able, totally on the spot and very interested. "May you do well," she says when she leaves.
Mrs. Luig, by the way, is 76 years old.

Samstag, 22. Oktober 2011

Zu zweit unterwegs


Zwei kleine Ausnahmen kennzeichnen die heutige, noch sommerliche Bildfolge: keine erläuternden Geschichten fügen sich erstens den Fotos der zweitens en passant fotografierten und mir somit unbekannt gebliebenen Menschen an. All dies ist zum größeren Teil dem Umstand geschuldet, dass ich derzeit aufs entschlossenste dem Motto der kürzlich erwähnten Ameise folge. Zum anderen macht Abwechslung aber auch das Leben bunt, nicht wahr. Los geht's, bitte hier entlang...
Two little exceptions characterize the todays series, which comes along quite summerly: no adding words for one thing tell the story of the for another thing en passant photographed people, which, for this reason,  I didn't get to know. All this mainly is due to the fact that I highly follow the principle of the lately mentioned ant. On the other hand diversion enriches life, does'nt it. See more, please follow...

Donnerstag, 13. Oktober 2011

1000 Teile





Vor genau 2 Wochen bin ich an einem der letzten warmen Tage dieses Sommers Gitta begegnet. Recht zügig hatte sie, von rechts nach links und rollenderweise, meinen Weg gekreuzt. Mehrere Dinge sind mir gleich­zeitig durch den Kopf geschossen; z. B. ob sie etwas besonderes vor hat in ihrem braunen Kleid. Ob sie wohl einwilligen wird, dass ich sie fotografiere? Ob ich ihr mit diesem Ansinnen nicht gar zu nahe trete, weil sie im Rollstuhl sitzt. Und ob ihr über die Rückenlehne gehängter Rucksack nicht womöglich Taschendiebe anlockt.
Ach, und noch ein paar Kleinigkeiten mehr. Ganz ehrlich; so viele "ob's" versperren mir in der Regel nicht den Weg zu einem meiner potentiellen Blogbewohner. So unverkrampft wie ich es gerne hätte scheint es also nicht zu sein, mein Ver­hältnis zu Menschen mit einer Behin­derung. (Darf man 'Behinderung' beispiels­weise überhaupt sagen, oder verstößt man damit, wenngleich ahnungslos, schon gegen die Regeln irgendeiner 'political correct­ness'? oder besser 'social correctness'??)
Excactly two weeks ago, on one of the last few summer-days, I've met Gitta. Quickly rolling she crossed my way, from the left to the right. Quite some things crossed my mind immediately: if she, wearing this brown dress, was on her way to a special event. If she would agree that I take a photo of her. If I possibly would offend her with my wish, because she's bound to a wheel-chair. And if her bag, hung up on her back-rest, would'nt invite pickpockets.
Oh, well, and even some more things like this. To tell the truth: so many 'if's' usually don't bar my way to potential blog-residents. My relation to handicapped people obviously isn't as easy as I'd like it to be. (Is it allowed to use the word handicapped, for example, or is this already the first naive step into political incorrectness, or, more precisely,  social incorrectness??)


Um es kurz zu machen; der Weg, bildhaft ausgedrückt, zwischen Gitta und mir ist, warum auch nicht,  erfreulich leicht und kurz. Nein, sie hat nichts besonderes vor, sie nutzt lediglich eine der letzten Sonnenscheingelegenheiten das Kleid zu tragen. Dass ich sie fotografieren möchte freut sie, und meine Bedenken weil sie im Rollstuhl sitzt kann sie zwar nachvoll­ziehen, jedoch in keiner Form bestätigen. Nachdem ich Gitta fotografiert habe nehme ich auf einem kleinen Stromkasten am Wegesrand Platz. Stehen erscheint mir irgendwie unhöflich. So ein Gespräch im Sitzen (zumal unter Fremden) bringt die Qualität des Verweilens mit sich, die wiederum Wertschätzung für das Gespräch in sich trägt. Eine feine Sache, denke ich. Gitta überlegt, und nickt und stimmt mir zu.
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To cut it short, putting it in figurative words, my way to Gitta was easy and short, and why should'nt it, anyway? No, she does'nt have a special reason to wear the brown dress, she just catches one of the last chances to wear it, before summer is over. She feels pleased that I want to take photos of her, and eventhough she can relive my doubts concerning her wheel-chair-situation, she could'nt varify them in no way. After taking pictures of Gitta I take a seat on a small electricity box on the sidewalk. Standing occurs unpolite to me, somehow. Talking while sitting down (especially with a stranger) emerges a quality of staying, which on the other hand bears appreciation for the talk itself. That's  nice, I think, and Gitta ponders and nods and she agrees.
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Montag, 3. Oktober 2011

Darauf, davor und dahinter


Viele Menschen stehen davor, wenige darauf, und mehr als mancher denken mag dahinter. Die Rede ist von einer Bühne. Eine solche war in den vergangenen drei Tagen zentraler Punkt meiner Aufmerk­samkeit. Die Auswahl der folgenden Bilder ist im Bestreben erfolgt, den zuvor er­wähnten Relationen in etwa gerecht zu werden. Na, zumindest in etwa...
Und was habt ihr am Wochenende so ge­macht?
Many people are standing in front of it, some are acting on it, and more people as one may ecpect are working behind it. There is talk of a stage. One of those stages has been the center of my attention during the last three days. The now following pictures are chosen with the intention to mirror the previously mentioned relation. Well, at least almost...
And what did you do last weekend?


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