Dienstag, 24. Dezember 2013

Fülle



Vor ein paar Tagen war ich beim Supermarkt am Platze einkaufen. Es war Samstagmittag und die anderen waren auch schon da. Der ganze Laden war voll: voll mit Menschen, voll mit Waren, auch die Einkaufswagen waren voll und an der Kasse waren die Laufbänder voll, von denen im Übrigen nicht mehr all zuviel zu sehen war.
So lang ich denken kann, hat mich derart zelebrierte Fülle seltsam emotionalisiert. In mein formuliertes Bewusstsein gerückt ist dieser Umstand, als ich 15 oder 16 war: ich saß in einem Café und es war voll: voll mit Menschen, voll mit Kuchen, voll mit vollen Tellern. Mich hat damals eine Welle enormer Traurigkeit erfasst, und zwar mit Wucht. Bis heute habe ich nicht wirklich ergründet, was mich daran derart berührt. Aber darum soll es jetzt auch gar nicht gehen.
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Sonntag, 15. Dezember 2013

Faust aufs Auge


Die Zeichnung ist von der fabelhaften Sonja Kling

Neulich habe ich eine dieser täglichen PR-mails bekommen, in der schon die einleitenden Worte mich verstört haben inne halten lassen: „Auf der Suche nach Blogs über und um das Geschehen in Köln bin ich auf deinem gelandet," ging es soweit nachvollziehbar los. Und weiter war zu lesen: „Dann las ich deine Info 'Über mich' und dachte „Das passt wie die Faust aufs Auge, schreib ihr einfach mal!''

Natürlich habe ich sogleich höchst erfreut meinen eigenen Blog besucht. „Ah, endlich!“ frohlockte die innere Stimme: „Die 'Über mich Seite', die schon seit Jahren überfällig ist. Die Heinzelmännchen waren wohl so freundlich ... Puh! Danke, so ein Glück!!! Schnell mal nachsehen, was dort steht!“
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Mittwoch, 11. Dezember 2013

Waldkindergarten



Nina wird demnächst für ein Semester nach Kristiansand gehen, und dafür bereitet sie sich in diesen Wochen vor: zum einen lernt sie Norwegisch, und zum anderen jobbt sie auf dem Weihnachstmarkt, denn ein biss­chen Geld kann sie noch gut brauchen.
Nina studiert Sport in Köln, und auf meine Frage, ob die Aufnahmeprüfung dort so hart ist wie ich zu wissen meine, antwortet sie: „Jaaa, ach ... man muss vieles können, aber nichts richtig gut.“ Ich frage, welchen Sport sie selbst ausübt, was sie besonders gut kann: „Och, ich kann vieles, aber nichts richtig gut,“ antwortet sie und hält sich dann ihr Knoblauchbrot vors lach­ende Gesicht. 







Nina geht es beim Sport nicht um Leistung, sondern um Bewegung und den Spaß daran: „Psychomotorik, das ist zum Beispiel et­was, was mich interessiert; mit Kindern arbeiten.“
In der Psychomotorik wird dem Zusammen­hang von Denken, Erleben und Bewegung im Hinblick auf die persönliche Entwick­lung besondere Beachtung geschenkt, er­klärt mir Nina. „Ich war als Kind in einem Waldkindergarten, wir waren immer drau­ßen, sind rumgerannt, egal wie das Wetter war.“ Später ist Nina dann in eine Zirkus­schule gegangen, wo sie Akrobatik gelernt hat.
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Sonntag, 8. Dezember 2013

Lernrakete im Zettelmeer


Die Trainer in der Hundeschule haben Eddie den Beinamen Lernrakete gegeben. Denn er begreift viel, und das vor allem bemerkenswert schnell. Rennen kann er auch schnell, aber das ist wohl normal. (Ich weiß es nicht, ich verstehe nichts von Hunden.)  Ulrike, bei der Eddie seit 2 Jahren lebt, versteht dagegen immer mehr von Hunden, vor allem natürlich von Eddie.
Ulrike hatte sich schon sehr lange einen Hund gewünscht, aber es hat nie wirklich in ihr Leben gepasst, sich einen anzu­schaffen. Dann hat sie immer mehr Menschen mit Hund kennengelernt und hin und wieder war für ein Wochenende ein Hund bei ihr zu Gast: „Im Sommer 2011 hatte ich für ungefähr zwei Wochen Mütze zu Besuch. Eine lebensfrohe, lustige, total unkomplizierte und liebenswerte Hunde­dame, die ich nach den zwei Wochen zu ihren Frauchens zurückgebracht habe – und danach hat mir einfach ein Hund gefehlt. Ganz extrem.“
The trainers at the dog school nickname eddie as 'pretty smart cookie'. Eddie comprehends a lot, but first and foremost he does it remarkably fast. He's also able to run fastly, but I guess, that's quite normal. (I don't know it, I have no under­standing of dogs.) Ulrikes understanding of dogs and especially of Eddie, who lives with her since two years, is growing more and more, however.
Ulrike wished to have a dog since quite a long while, but somehow it never seemed to match with her life-circumstances. A few years ago she became acquainted with more and more dog owners, and from time to time she hosted one of those dogs for the weekend. „In summer 2011 Mütze stayed with me for two weeks; a fun-loving, jolly, fuss-free and loveable lady dog. When I brought her back to her owners after the two weeks I felt a great loss, I simply was missing a dog.“


Also hat sich Ulrike auf die Suche nach ei­nem Patterdale-Terrier  mit Stehohren ge­macht, denn so einen hatte sie in Schott­land getroffen. Es sollte eine Hündin sein, und am liebsten auch nicht ab sofort: „Aber dieser Eddie hat es mir dann einfach angetan.“
Am Anfang hat Eddie alles und jeden an­gebellt und so kam Ulrike auf die Idee eine Hundeschule zu besuchen.
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So Ulrike started to find herself a Patterdale Terrier with upright ears, like she once had met one in Scottland. She wanted a lady dog, and she didn't want it immediately: „But then there was Eddie, and I was lost.“
In the beginning Eddie was barking at anyone at anytime, and so Ulrike came up with the idea of a dog school,
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Freitag, 6. Dezember 2013

... durch Nacht und Wind


In Köln war gestern Wind. Das zu erwähnen mag im Vergleich zur stürmischen Lage in anderen Teilen des Landes übertrieben er­scheinen. Aber ich mag ihn nun mal, den Wind, und so hat er mich auf die Straße und in die Nacht hinausgezogen. Gut, es war eher abends, genauer gesagt war es kurz nach acht, als ich das Haus verlassen habe, aber Nacht klingt einfach besser.
Dafür dass es doch in Wahrheit recht wenig Wind war, der in Köln zu wehen sich die Mühe gemacht hat, war es erstaunlich leer auf den Straßen. Selten habe ich an einem ganz normalen Wochentag derart wenig fahrende Autos gesehen um diese Zeit. Zum Beweis habe ich auch ein paar Fotos von leeren Fahrbahnschluchten gemacht, aber die gefallen mir nicht, deswegen muss mein Wort an dieser Stelle reichen. 
There was some wind yesterday in Cologne. It may seem to be exaggerated to mention this, in comparism with the rough weather in other parts of the country. But the fact is, that I like the wind, and for this reason it was tempted to enter the night. Ok, it was in the evening, more precisely at 8 p.m when I left home, but night sounds so much better.
Considering that it hasn't been too windy, the streets were amazingly empty. Only on rare occasions there are so few cars on the streets, namely on a weekday evening. I even took some pictures of abandoned street canyons as proof, but I think they're boring, and so my words will have to do.



Vielleicht habe ich ihn aber auch nur knapp verpasst, den Wind, denn seine Spuren konnte ich hie und da noch entdecken, oder vielmehr das, was ich bereit war als solche anzusehen.
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Well, maybe I just missed the wind, because I found some of his traces, or rather what I was willing to interpret as those.

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Sonntag, 24. November 2013

Drei Schaukeln im Garten


Im Garten von Dominique steht eine Schau­kel. Genauer gesagt sind es drei Schaukeln an einem Holzgerüst. „Zwei Kinder hast du?“ frage ich Dominique, mit Blick auf die Schaukel. „Ja,“ sagt sie, „die dritte ist für mich.“ Vor meinem inneren Auge sehe ich Dominique auf der Schaukel in fließender Bewegung nach vorn und hinten schwingen, eine Hand am Seil, den Blick nach innen gerichtet. Vielleicht, überlege ich, kom­men ihr beim Schaukeln die Ideen, oder sie werden währenddessen konkret und greif­bar.
In meiner Vorstellung schau­kelt Dominique sich für einen Moment aus Zeit und Raum, ein dichter und konzen­trierter Moment, der leicht bleibt, weil er ohne Absicht ist.
There is a swing placed in Dominiques garden. More precisely there are three swings on a wooden scaffolding. „You've got two children?“ I ask her, looking at the swings. „Yes,“ she says, „the third one is for me.“ In my minds eye I see Dominique as she seesaws flowingly back and forth on her swing, one hand on the rope, keeping the glance inwardly.
Maybe, I wonder, the ideas hit her while she seesaws, maybe they get more con­crete and tangible.
In my imagination Dominique seesaws herself out of time and space, an intense moment full of concentration, which stays easy, because there's no purpose.



Das sind natürlich nur meine eigenen Gedanken und Vorstellungen; Projektionen vielleicht, weil ich beeindruckt bin von Dominiques Fähigkeit zur kreativen Kons­truktion.
Die drei Schaukeln sind aber auch ein schönes Sinnbild für die drei Berufe, die Dominique erlernt hat, von denen sie heute zwei parallel ausübt.
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Of course these are just my own personal thoughts and imaginations; projections possibly, because I'm so impressed by Dominiques talent for creative construc­tion.
Those three swings moreover are a perfect symbol for the three professions Dominique has learned, from which she currently practices two.
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Samstag, 16. November 2013

Neulich in der Stadt am Meer



Die belgische Küste ist ungefähr 66 Kilometer lang, und wenn man Reisenden und ihren Berichten glauben darf zeichnet sie sich nicht durch naturbelassene Strände und malerische Dünenlandschaften aus. Im Gegenteil scheinen  über größere Strecken plattenbauähnliche Wohnburgen die betonierten Strandpromenaden zu säumen. Schön, womöglich mit mehr als einem „ö", oder einem einleitenden „so“, ist nicht der vorherrschende Kommentar; ganz besonders schlecht kommt die belgische Küste in diesem mare-Artikel weg, in dem die Autorin fragt, wieviel Hässlichkeit ein Landstrich verträgt.




Ich weiß nicht was dran ist am Plattenbau-Makel, denn ich war nur in Oostende und das auch nur für drei Tage. Dort allerdings stehen in der Tat ganz schön viele Wohn- und Appartementsilos am Meer herum. Es gibt jedoch auch reichlich Häuser und Gebäude, die entstanden sind, lange bevor die ... äh ... Prachtbauten der 70iger Jahre hochgeschustert wurden. Und so finden sich in Oostende allerorten Bauwerke in architektonischer Nachbarschaft, die nicht nur seltsam fremd beisammen stehen, sondern auch einen stummen Dialog zu führen scheinen.
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Donnerstag, 14. November 2013

Wenn die Gedanken andere Wege nehmen



Dass die Zahlen Eins und Zehn etwas miteinander zu tun haben, hat Sophia schon früh im Mathe-Unterricht erfahren. Verstanden hat sie es nicht. Überhaupt sind ihr die Zahlen und das Rechnen schleierhaft geblieben. Bestimmte Dinge, Zahlenreihen oder das Einmaleins, hat sie einfach auswendig gelernt, ohne einen Zugang zum Sinn des Ganzen zu haben. Erst in der elften Klasse ist schließlich klar geworden, dass Sophia Dyskalkulie hat. Bis dahin hat Sophia in der Annahme gelebt, dass sie wohl dumm sein muss. Dümmer jedenfalls als alle anderen, die offenbar keine Probleme mit der rätselhaften Welt der Zahlen hatten. 




Nicht zu verstehen, was alle anderen offenbar problemlos zu lernen imstande sind, hat Sophia als entmutigend und auch als isolierend erlebt: „In der Schule gibt es einen Weg, wie man zu denken hat, und wenn man anders denkt, dann ist man raus,“ sagt Sophie. In manchen Fächern hatte Sophie keine Probleme, und insgesamt war sie gar nicht schlecht in der Schule. Aber dennoch hatte sie meist das Gefühl, dass ihre Gedanken andere Wege nehmen und sie immer noch eine Frage hat: „Es wurde viel erklärt und am Ende dachte ich oft: 'Ja. Aber warum?' “ Warum ist etwas wie es ist, warum genau, und ist es wirklich so?

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Dienstag, 12. November 2013

„Für Minuten ein verschollenes Tier ...“



„... ich gehöre mir“ singt Cäthe auf ihrem aktuellen Album, mit dem sie gerade durch die Lande tourt.
Weil ich sie in Köln kürzlich verpasst habe bin ich ihr ins beschauliche Koblenz hinter­hergereist. Ich bin wahrlich keine Musiksachverständige; was mir gefällt entscheidet immer mein Gefühl und nur selten kann ich fundierte Erklärungen liefern.
Für mich steht dennoch fest: Cäthe ist eine, die man live sehen muss. Hat man sie dann live gesehen, kann man sich zwischenzeitlich mit ihrer Platte behelfen. „Wie machst du das nur? Ich bin glückselig und habe eine völlige Achterbahn der Gefühle durchlaufen heute Abend,“ so der Kommentar einer Zuschauerin auf Cäthes Facebookseite. 



Letztes Jahr habe ich Cäthe in Aachen zum Interview getroffen (in voller Länge und mit ein wenig Musik hier zu finden).
Dieses Jahr war mein gefühltes Alter nach dem Konzert nicht mehr stabil. Als ich zu Cäthe an den Tresen bin war ich gerade ungefähr fünf. Vielleicht auch siebzehn. Jedenfalls war ich schüchtern und deswegen hatte ich meine Botschaft an sie auf ein Kaffee­tassenpapierchen gekrickelt.
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Freitag, 8. November 2013

Raum im Raum


Sich fotografieren zu lassen ist für die meisten Menschen gar nicht leicht: viele stellen, kaum das man die Kamera auf sie richtet, unmittelbar das Atmen ein oder setzen eine Miene auf, mit der sie sich plötzlich selbst nicht mehr ähnlich sehen. Isabelle gestattet mir sie zu fotografieren, aber auch für sie stellt das eine Heraus­forderung dar.
Einerseits zu merken, wie man vor der Ka­mera abgeschnitten ist von der eigenen Selbst­verständlichkeit, und andererseits kaum eine Möglichkeit zu haben diese Selbstverständlichkeit wieder herzustellen, das birgt bisweilen eine gewisse Komik in sich, und so kann es beim fotografieren schon mal sehr lustig zugehen.
To get photographed isn't that easy for most people: very often it happens, that people in front of a camera immediately stop breathing, or they put on an untypical expresssion, so they won't look alike themeselves anymore. Isabelle allows me to take a picture of her, even though it's a challenge for her, as well.
To realise that one is cut off from his naturalness on the one hand, and not to be able to recreate easily  it on the other hand somehow involves a special kind of humor, and so it happens that photo-sessions turn out to be very cheerful gatherings.



Ich mag das Foto von Isabelle sehr; unsere kleine Foto-Session habe ich beendet, direkt nachdem es entstanden ist.
Isabelle ist Innenarchitektin und betreibt zusätzlich ein kleines Bed & Breakfast in Oostende, nur einen Katzensprung vom Meer entfernt. Für drei Tage und zwei Nächte war sie meine Gastgeberin. Mit einer höchst angenehmen Mischung aus Präsenz und raumlassender Zurückhaltung betreibt sie ihr Reise-Zuhause, dessen Ausstattung und Einrichtung bis ins Detail Isabelles unangestrengte Handschrift trägt. Vielleicht ist es also nur folgerichtig, einen Menschen, den ich hauptsächlich über sein Tun und Wirken erfahren habe, über diesen Umweg vorzustellen, über Bande quasi.
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I really like the photo of Isabelle, I thought our photo-session was successfully finished right after I took it.
Isabelle is an interior architect and she also runs a small Bed & Breakfast in Oostende, only a stones throw away from the sea. For three days and two nights she has been my host. With a pleasurable mixture of presence and space-giving distance she manages her guest lodging, and its furniture and decoration carries her easy-going thumbprint in every detail. So maybe it's just consequent to introduce a person who I mostly witnessed through the space she provides by showing exactly this, in an indirect way, so to say.
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Dienstag, 22. Oktober 2013

Sechsundsechzig Jahre Übung


Jacqueline dürfte eine der meistfoto­grafierten Frauen von Brügge sein. Jeden Tag, ab ca. 14 Uhr baut sie Stuhl und Klöppeltisch im Türrahmen ihres Hauses auf. Das befindet sich im Kern der Altstadt und liegt somit genau auf der Route der unzähligen Touristen, die sich schlendernd durchs Backsteinhäusermeer bewegen.
Natürlich bleibe auch ich stehen und gucke Jaqueline beim Klöppeln zu; Handwerk fasziniert mich meistens, und in diesem Fall werden obendrein Erinnerungen an meine Großmutter wach, die nur selten mal keine Näh-Strick- oder Stecknadeln in ihren flinken Fingern hatte (letztere auch gerne mal im Mund).
Jacqueline probably is one of the most-photographed women of Bruges. Every day, around 2 pm, she puts a chair and a table with her lace pillow at the door of her house. Jacqueline lives in the heart of the old town and so her house is located at the route of all the many tourists, which are strolling through the sea of brick-houses.
Like many others I also stand still for a while and watch Jacqueline knipling; handicraft usually fascinates me, and in this case memories are brought back to me: of my grandmother, who rarely had no knitting- or sewing-needles or pins in her skilful fingers (the latter she often used to hold with her mouth, as well). 



Jacqueline ist sechsundsiebzig Jahre alt, mit zehn hat sie begonnen zu klöppeln. Das sind sechsundsechzig Jahre Übung, die sich in nicht nachvollziehbaren Wurf- und Knot­bewegungen zeigen, die Jacqueline in be­eindruckendem Tempo und ohne Unterlass mit den Bobinen vollführt.
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Jacqueline is 76 years old, at the age of 10 she started to learn lace-making. That are 66 years of practise, which become apparent when Jacqueline extremely fast and unceasingly throws the bobbins around.


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Sonntag, 20. Oktober 2013

Baumarkt und Bibliothekskarte


„Ich reise nicht so gern, aber ich wollte gerne mal woanders leben für eine Weile“ sagt Eva. Und so hat für ein paar Monate ihre Heimat in der Schweiz verlassen, um den Sommer in Köln zu verbringen. Sie hat sich ein Zimmer gesucht und sich ein we­nig Halt geschaffen in der Fremde: „Ich fühl mich wohl wenn ich einen Raum habe, wo ich Zettel mit Ideen und Notizen aufhängen kann, weiß wo der Baumarkt ist und eine Bibliothekskarte besitze.“
„I don't really like to travel, but I had the wish to live abroad for a while“ Eva says. So she has left her home in Switzerland to live in Cologne during summertime. She rented herself a room to create her private basis: „I feel comfortable when I have a room, where I can pin notes and ideas on the wall, when I know where the DIY market is located and when I own a library pass.“



In der Schweiz hat Eva als Kleinkind­erzieherin gearbeitet und sich gleichzeitig ihren eigenen großen und kleinen Kunst­projekten gewidmet. „Irgendwann war ich aber durch meine Arbeit so ausgeschöpft, dass ich gar nicht mehr schöpferisch sein konnte.“ Sie hat ihre Stelle als Erzieherin aufge­geben und ihren Fokus verlagert: auf ihren ganz eigenen Blick in die Welt, auf Dinge und auf sich selbst, dem sie mit ihrer Kunst ein Gesicht gibt.
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In Switzerland Eva used to work as a child care worker, while she applied herself on her small and big art projects at the same time: „Someday I felt so outworn that I couldn't be creative anymore.“ She has quit her job as a child care worker and shifted her focus: on her individual eye for the world, for things and for herself, which she now  translates into her individual art.


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Freitag, 18. Oktober 2013

20 Dinge über mich



Ein Stöckchen kursiert; ich habe es vor lauter Arbeit erst spät bei der Kaltmamsell entdeckt, deren ehrliche Liste mich beeindruckt hat. Ich mach jetzt einfach auch mal mit, weil ich nämlich gerne mitmache (siehe Punkt 5).
Achtung, es wird persönlich. Meine Liste ist eher Ichig als amüsant angelegt, um mal Herrn Schwenzels Formulierung zu verwenden.
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Donnerstag, 17. Oktober 2013

receive, give, let go


Durch den Hafen von Oostende schippert eine kleine Fähre, die den lieben langen Tag Menschen und Fahrräder von einem Kai zum anderen bringt. Die Überfahrt dauert zehn viel zu kurze Minuten, die gleich noch mal so schnell dahin zu rasen scheinen, wenn man sie, wie ich,  mit Marita ver­bringt.
Marita ist Künstlerin und zusammen mit Ihrem Mann Jaques für ein paar Tage ans Meer gefahren.
There is a small ferry boat, which keeps cruising through the harbour of Oostende during the whole day to bring passengers and bikes over from one pier to the other. The ride takes ten short minutes, which pass by even faster when you spend them with Marita, like I did. Marita is an artist, spending some days at the sea with her husband Jaques.



Derzeit bereitet Marita eine von ihr initi­ierte Gruppen-Ausstellung vor, die im Okto­ber 2014 in Gent zu sehen sein wird und die eine besondere Herausforderung an die teilnehmenden Künstler bereithält. Der Titel der Ausstellung lautet „receive, give, let go“ und damit ist bereits die Grundidee des Konzeptes beschrieben: jeder Künstler reicht ein eigenes, fertiges Werk an einen anderen Künstler der Gruppe weiter, der – salopp formuliert – damit machen darf was er möchte.
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Currently Marita is preparing an exhibition, which will take place in Ghent in october 2014. The exhibition with the title „receive, give, let go“ probaly bears a challenge for the participants: each artist gives an individual art piece to another artist, who can do whatever he wants with it during his own individual process of work.



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Sonntag, 22. September 2013

Einen Bart wie meine Freundin


Seit sieben Monaten sind Jan und Liselotte Ladenbesitzer. The Lodge Bruges heisst ihr Geschäft, und es befindet sich auf der Lange Straat in Brügge. Kaum 800 Meter vom Markt entfernt ist vom dort routine­mäßigen Menschenstrom hier kaum etwas zu spüren. Statt dessen bietet das Viertel rund um die Lange Straat eine Ahnung vom normalen Leben in Brügge; einem Alltag in dessen Mittelpunkt nicht ausschließlich das Grundrauschen der Tou­risten eine Rolle spielt.
Since seven months Jan and Liselotte are store owners. The Lodge Bruges is it's name and it's located at Lange Straat, which is situated beyond the medieval city gate, but inside the centre, which is enclosed by the Gent-Oostende canal. Not even 800 metres away from the crowded Market, at Lange Straat you will find a completely different atmosphere: it's more about everyday life of Bruges, life beyond the ambient noise of touristical necessities, which occupy  the centre stage.



Was romantisierende Individualfanatiker wie mich erfreut kann man allerdings auch anders sehen. Gegen ein paar fremde Be­sucher mehr hätten die ansässigen Geschäf­te nämlich gar nichts einzuwenden. „Ein Laden im Zentrum ist unbezahlbar.“ sagt Liselotte. Aber es sind nicht nur die sprich­wörtlichen  Kirschen, die dem Fuchs zu sauer sind, die Jan und Liselotte zur Lange Straat gezogen haben: „In dieser Strasse gibt es alles; Cafés, Geschäfte, wir haben zwei Sternerestaurants, da fahren hier manchmal sogar Bentleys vorbei, wir haben eine richtig tolle Nachbarschaft und es gibt hier Menschen wie ihn.“ sagt Liselotte und zeigt auf einen Mann, der gerade mit seinem Fahrrad vorbeischiebt. Er hat einen seltsam bunten Hut auf dem Kopf, sein Rad ist skurril geschmückt, und es ist schwer einzuschätzen, ob er wohl in dieser oder aber einer anderen Welt unterwegs ist. 
Even if romanticizing individual-freaks like me prefer non-touristic areas, there's always another point of view. The local shops would pretty much appreciate some more foreigners to come over. „A shop in the centre isn't affordable,“ Liselotte says. But it's not only the unpayable high rent, why Jan and Liselotte were trying to find a shop at Lange Straat: „We have everything in this road: cafés, shops, two starred restaurants, so sometimes Bentleys drive past, we have a great neighbourhood, and there are people like him,“ and  Liselotte points at a man crossing the street with his bike. He wears an oddly colourful hat, his bike is strangely decorated and it's not easy to consider whether he's at home in this world or in another. 



Im Laden von Liselotte und Jan steht wohl­platziert ein Sofa und lädt zum Bleiben ein. Nein, eigentlich sind es Jan und Liselotte, die zum Bleiben einladen, das Sofa ist nur ein Symbol und eine Möglichkeit. Ich weiß das, denn ich habe nicht auf dem Sofa gesessen und bin trotzdem lang geblieben.
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There's a well-placed sofa in the shop, which invites to stay. Well, actually Jan and Liselotte invite to stay, the sofa is just a symbol or a possibility. I know that, because I didn't sit on it, but I stayed for quite a while, anyway.
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Freitag, 20. September 2013

Handwerkerseele geht wählen



In Brügge habe ich diese Frau fotografiert, weil ich es 'irgendwie lustig' fand, dass sie ein Kleid in den Farben der Deutschlandfahne trägt. Erst Tage später haben sich mir beim wiederholten Sichten meiner Belgienfotos die Worte schwarz-rot-gold ins Hirn ge­schlichen, und langsam habe ich begriffen, dass die Farben zwar stimmen, die Reihen­folge allerdings nicht.
Ich fürchte, meine politische Bildung ist insgesamt ähnlich ungenau angelegt. Ich hab von vielem schon mal gehört, aber Durchblick sieht doch anders aus.
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Mittwoch, 18. September 2013

Franlis III


Wer sich fortbewegen möchte braucht mit­unter eine Fahrkarte. Die erste Fahrkarte eines Donnerstages in Oostende kaufe ich einer freundlichen Dame am Ticketschalter der Kustram ab; der längsten Strassenbahn­linie der Welt, die obendrein am Meer entlang fährt. Es ist ein warmer Tag, schon morgens um zehn schwitzt es sich ganz prima; sogar im Schatten an der Halte­stelle. Die Bahn meiner Sehnsüchte trifft schließlich ein, sie ist brechend voll und nur eine Station später möchten – so eine Durchsage des Schaffners – doch bitte alle Fahrgäste ge­meinsam umsteigen. „Follow the people“ werde auch ich hinaus kom­plimentiert und natürlich steige ich aus und denke, das sind aber ganz schön viele people.
Zu viele für eine heiße Strassenbahn finde ich, Gelegenheit hin oder her. Also werfe ich meinen Plan und das Ticket kurzerhand über Bord und beginne, zu­nächst ein wenig missgelaunt, einen ziel­losen Spaziergang, der mich schließlich zum Pier hinaus aufs Meer führt.
When you want to move along you occasionally need a ticket. The first ticket I buy on a thursday morning in Oostende is at the counter of the Coast Tram, where a nice lady serves the clients. The coast tram is the longest tram line in the world and most notably it's built along the entire belgian coast. It's a warm day, perfect for sweating already at ten o'clock in the morning, even in the shade of the tram station. Finally the tram of my desire arrives: it's completely packed and just one station further all the passengers – as the conductor announces – are asked to change the train. „Follow the people“ they tell me, and of course I do, thinking to myself, that we talk about quite a lot of people. Too many for a hot tramride, I think, all opportunities aside. So I decide to drop my plans and waste my ticket and I wend on an aimless stroll – first in a slightly bad mood – which finally guides  me to the pier at the seaside. 



Die zweite Fahrkarte des Tages kaufe ich bei Aaron, der soeben seinen Dienst am Pier beginnt. Auf dem Hinweg ein un­schein­barer Bretterbau, ziert auf meinem Rückweg ein riesenhafter Captain Hook die Ticketbude, die der Franlis III als Start­punkt dient. Bis zur Abfahrt ist noch reich­lich Zeit, aber trotzdem beschließe ich mich festzulegen und folge Aaron in das weiße Häuschen. Drinnen auf dem Tisch liegt, ganz Arbeitsbeginn, noch ein Ruck­sack auf einem Skateboard und ein hastig hingeworfenes Shirt.
„Deine Sachen?“ frage ich, und weil Aaron natürlich nickt frage ich ihn, wie er seine Arbeitskleidung findet. „Naja, is' schon ok,“ antwortet er großzügig, „wenn ich nicht müsste, würd' ich's wohl eher nicht anziehen.“
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My second ticket of this thursday I buy from Aaron, who is just starting his work at the pier. On my way to the pier I see just a mousey shack, on my way back Aaron shifts a huge Captain Hook figure out of the ticket shop to catch attention, because Franlis III starts it's excursions here. It's still  some time until departure, but I decide to tie myself and I follow Aaron inside the ticket shop. Inside I see a skateboard with a bag on top, covered with a carelessly dropped shirt.
„Your stuff?“ I ask, and of course Aaron nods and my next question is, whether he likes his work dress: „Oh, well, it's ok“ he replies generously, „probably I wouldn't wear it, if they wouldn't ask me to.“


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Montag, 16. September 2013

l'héroïne


Manche Menschen spreche ich so spontan an, dass ich selbst ganz überrascht bin. „Hallo...“ höre ich mich dann sagen, oder „Guten Tag, entschuldigung...“ während ich 'Huuch‘ denke und mich erst mal flott neu orientieren muss. Die Überraschung meines Gegenübers ist vermutlich noch ein bisschen größer, aber es herrscht dann dies­bezüglich immerhin so etwas ähnliches wie Gleichstand. Um so schöner also, wenn sich gleich hernach mit Leichtigkeit auf kurzen Wegen ein Gespräch entwickelt, das dem Small Talk gewissermaßen einen Platz am Katzentisch zuweist.
Sometimes I approach people so spontaneous so that I'm surprised myself. „Hello ...“ I hear myself saying, or „Excuse me, please ...“, while I think 'Oops', trying to reorganize myself quickly. The person I approach is probably even more surprised, but after all, at least it's a bit of drawing a level. So it's even more commendable if after a few seconds it seems to be more than easy to talk in such a personal manner, that you wouldn't name it small talk at all.



Anne Marie ist kurz vor Ladenschluss auf ihrem eiligen Weg noch ein paar Einkäufe zu tätigen, als ich uns beide wie beschrie­ben überrasche und sie anspreche. Warum ich sie fotografieren möchte, fragt Anne Marie. „Weil Sie so besonders aussehen.“ antworte ich, und weil ich es auch gerade nicht besser erklären kann füge ich hilflos noch etwas an wie „Toll“ oder „Schön“, während ich hoffe, dass Anne Marie mir meinen Jeans-Look verzeiht, der mir neben ihr beschämend nachlässig erscheint.
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Anne Marie is in a hurry to do some shopping before closing-time when I surprise both of us as mentioned above, by approaching her. Why I want to take a photo of her Anne Marie would like to know. „Because you look so special“ I say, and because for the moment I'm not able to put it into better words, I add something like „great“ or „beautiful“, while I hope that Anne Marie would'nt judge me for my simple denim-look, which to me seems to be embarrissingly sloppy  beside her.
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Samstag, 14. September 2013

Unterwegs in Brügge


In Brügge war ich sehr viel unterwegs.
In Bruges I've been out and about.



Die anderen aber auch.
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Donnerstag, 12. September 2013

... am Meer leben


Isabelle ist in einer kleinen Stadt zwischen Brüssel und Gent aufgewachsen. Schon als Kind wußte sie eines ganz genau: dass sie eines Tages am Meer leben möchte. „Als ich noch klein war haben wir immer die Sommerferien am Meer verbracht,“ sagt Isabelle, und damals hat sich die Idee in ihr festgesetzt.
Aber dann, nach Schule und Studium, hat sie zunächst in Brüssel gearbeitet: in einem Touristikunternehmen, das auf Kreuzfahr­ten spezialisiert war. Als Isabelle 25 war hat sie sich schließlich ernsthaft mit der Frage auseinandergesetzt, wann 'eines Ta­ges' sein soll: „Ich habe mir gedacht, wa­rum soll ich eigentlich warten, bis ich alt bin, um ans Meer zu ziehen? Warum nicht jetzt, wo ich jung bin?“ 
Isabelle grew up in a small city close to Gent and Brussels. Since she was a child she knew something for sure: someday she wanted to live by the sea. „When I was young we always spent our summer vacation at the seaside,“ Isabelle says and back then the idea took hold in her mind.

But finally, after school and study, she started to work in Brussels: for a tour company which was specialized on cruises. When Isabelle became 25 she faced up to the question when 'someday' actually would be: „I asked myself, why should I wait until I'm old, to move to the sea? Why not now, as I'm still young.“




Seit elf Jahren lebt Isabelle nun also ihren Traum aus Kindertagen. Sie hat viel gear­beitet um sich ein kleines Haus in der Nähe von Oostende kaufen zu können. Von dort läuft sie ein paar Minuten an den Strand, aber riechen kann sie das Meer immer.
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So, since eleven years Isabelle is living her childhood-dream. She has worked a lot to buy herself a house close to Oostende, from where she reaches the beach after a short walk and where she can always smell the sea.
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Sonntag, 8. September 2013

Tango oder Tatort


Sonntagabends gegen acht leeren sich auch im Zentrum von Brügge die Straßen, und es kehrt so etwas wie Beschaulichkeit ein.
Viele Wochenendbesucher mögen sich be­reits auf dem Heimweg befinden, die da­gebliebenen Touristen, die zuvor in Scha­ren das Bild der Altstadt mitgestaltet ha­ben sind mutmaßlich überwiegend in den Restaurants untergekommen, und die Ein­heimischen, ja, die Einheimischen meiden den historischen Stadtkern ohnehin nach Möglichkeit, wie mir wiederholt berichtet wurde.
Auch ich bin Touristin, auch mich treibt der Hunger, da fällt mir ein, dass Deutschland gerade Tatort guckt. Oder Traumschiff. Ach nein, TV Duell. Und während sich derlei nichtige Gedanken den Platz in mei­nem unterzuckerten Hirn mit solchen an Essen und belgisches Bier teilen, weht von Ferne Musik an mein Ohr.
On sunday evenings around eight o'clock the streets in the center of Bruges are getting calmer and something like peacefulness emerges.
Many weekenders probably are on there way back home yet, all the staying tourists, which have been an impressive part of the view of the city before, presumably have entered the restaurants, and the locals, well, the locals try to avoid the historical centre of the city anyway, as people have kept telling me.
I'm also a tourist, I'm also hungry and I'm also looking for some food. In Germany people are watching Tatort right now, I think to myself (which is a ritual since more than 40 years by now.) And while irrelevant thoughts like this and those about food and belgian beer keep my simple mind busy, I suddenly hear music from afar.



Am Fischmarkt ist Tango. Und der wirkt nun doch sehr einheimisch. Ich zögere mich in die Menge hinein; meine Kamera weist mich als Fremde aus, und ich möchte nicht stören. Auf der anderen Seite möchte ich gerne fotografieren. Ein Zwiespalt, der mich immer wieder aufs Neue heraus­fordert. Schließlich setze ich mich an den Rand des eigens ausgelegten Tanzbodens und lausche der argentinischen Musik.
Tanzende Paare kreisen versunken und mit würdevoller Ernsthaftigkeit an mir vorüber, und ich bin berührt. So sehr, dass ich fast ein bisschen weinen möchte.
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It's tango-night at the fishmarket. And actually this seems to be a local event, after all. Hesitantly I enter the scene; my camera identifies me as a foreigner and I don't want to bother the locals. On the other hand I want to take photos. A conflict which keeps challenging me once more. Finally I sit down right on the dance-floor, which is specially built for the tango-night, and I listen to the argentine music.
Self-engrossed couples are passing by, radiating graceful wholeheartedness, and I'm so touched, that I almost feel like I could slightly cry.
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Samstag, 7. September 2013

Aennie auf der Bank


„Als ich zwei Jahre alt war habe ich laufen gelernt, und als ich zehn Jahre alt war musste ich es noch mal lernen.“ Das er­zählt mir Aennie als ich schon eine Weile neben ihr auf der Bank sitze und sie nach ihrem Alter frage. „Ich bin 67, aber ich bin damals krank geworden.“ Sie nennt den Namen ihrer Krankheit, und weil ich nicht verstehe ergänzt sie : „Die Muskeln ...“ Beim reden fliegt immer eine ihrer Hände bedächtig hin und her und erzählt so wort­los die Ge­schichte eines Lebens mit der Krankheit. Mit klugen Augen sieht Aennie mich an; offenbar hat sie mein Erstaunen gespürt, denn ehrlich gesagt habe ich sie tatsächlich älter geschätzt.
„When I was two years old I found my feet, and when I was ten years old I had to find them again.“ That's what Aennie tells me when I ask her for her age, after we've been talking since a while, sitting together on the bench. „I'm 67, but back then I fell sick.“ She names her disease, but for the reason that I don't understand she adds: „The muscles ...“ While she's talking always one of her hands keeps flying around, telling the wordless story of a life with this disease. With wise eyes she looks at me; obviously she realized my aston­ishment, 'cause to tell the truth; I expected her to be older. 



Aennie lächelt mir so freundlich zu als ich an ihr vorbeigehe, dass ich stehenbleibe und frage ob sie in Brügge lebt. „Nein, in Heist.“ antwortet sie. Das ist ein kleiner Ort am Meer, ganz in der Nähe.
Gerade eben war sie in einem Harfen­kon­zert, von dem sie in der Zeitung ge­lesen hat: „Es ist hier ganz in der Nähe, Luc Vanlaere,“ sagt sie und hält mir einen Flyer hin: „Er spielt gleich noch mal“ sagt sie und rät mir hinzugehen. „Es ist umsonst und er spielt so wunderschön ... sehr be­ruhigend.“
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Aennie smiles at me in such a nice way that I stop, and I ask her if she's from Bruges. „No, I'm from Heist,“ she says. Thats a small village at the sea, near by. She has just visited a harp-concert, which she found announced in the news papers: „It was around the corner, Luc Vanlaere,“ she says, showing a flyer to me: „He will play again in one hour,“ she says and recommends me to go there: “It's for free and he plays the harp so wonderful ... it's so relaxing ...“
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Mittwoch, 4. September 2013

Menschen am Meer


Menschen am Strand habe ich letztes Jahr in Brighton fotografiert. Heute bin ich in Oostende angekommen und bin erst mal in einem der zahllosen Restaurants an der Strandpromenade eingekehrt. Manchmal ist mir wichtiger wo ich esse, als was ich esse. Ich bin einfach zu gerne am Meer. Und damit bin ich ja ganz offensichtlich nicht allein.
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People on the beach was a short series which I posted last year from Brighton. Today I arreived in Oostende and one of the first things I did was eating in one of the endless Restaurants at the sea front. Sometimes I actually care much more about where I eat than what I eat. I simply love to be close to the sea. And obviously I'm not the only one.
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Dienstag, 3. September 2013

Get lost


Nun bin ich seit 4 Tagen in Brügge und war noch in keinem Museum, bin auf keinen Turm gestiegen und habe keine Kirche be­sichtigt. Ich habe auch die Schokoladen­läden, Frittenbuden, Waffelstände und Bootstouren ausgelassen. (Wobei gegen all dies im Grunde nichts zu sagen ist). Ganz Tourist laufe aber auch ich mit meiner Kamera durch die Stadt, die eigentlich schon ganz abgenutzt aussehen müsste, bei all den Fotos die hier sekündlich ge­macht werden. Und manchmal schäme ich mich ein bisschen, weil ich und tausend Andere auf diese Weise gedankenlos Besitz von Brügge ergreifen.

Sophie lebt in Brügge und ich frage sie, was sie davon hält, dass all die Touristen da sind. Sophie guckt mich freundlich an, überlegt, macht eine indifferente Bewe­gung mit den Schultern und sagt: „Das ist ok. Sie gehören dazu, irgendwie.“

Since 4 days I'm in Bruges now and still I haven't been to any museum, I didn't enter any tower and didn't visit a church yet. I also skipped the chocolate-shops, the chips and waffle stands and I didn't book a tour by boat. (Although there's nothing to say against all that). Nevertheless I walk the streets as a Tourist, as well, taking photos of the city, which surprinsingly doesn't look shabby yet, despite all those pictures which are taken every single second. And sometimes I feel embarresed, because I and thousand others somehow take the city over by taking all those pictures.


Sophie lives in Bruges and I ask her, what she thinks about all those tourists coming to her hometown. She looks at me gently, ponders, shrugs her shoulders in a relaxed way and says: „That's ok. They belong to Bruges, in a way.“



Eigentlich sind Sophie und Davy auf dem Weg nach Gent und sie haben es sogar richtig eilig. Trotzdem nehmen sie sich ein paar Minuten Zeit. Und eigentlich wollte ich ursprünglich nur ein Foto von Sophie machen. Aber dann entspinnt sich so ein nettes Schnell-Gespräch zwischen uns Dreien; darüber wie man einen unbe­kannten Ort (z. B. Brügge)  als Reisender erfahren kann. Also frage ich, ob ich noch ein Bild von beiden zusammen machen darf.
Actually Sophie and Davy are on their way to Ghent and in fact they're in a hurry. Nevertheless they make a few minutes for me. And actually in the beginning I just asked for a photo of Sophie. But then the three of us start a nice quick chat about how to discover foreign places as a traveller; Bruges for example. And so I ask for another photo of both, Davy and Sophie.



Und wie die beiden sich so für das Foto aufstellen und in meine Kamera gucken, kommt von der Seite ihr Sohn Eland hinzu und schiebt sich mit ernster Miene wortlos nah und näher an Sophie. Dabei schubst er seinen Roller mit den Füßen gekonnt auf Vorwärtsposition, ohne die Augen auch nur einen Moment lang abzuwenden. Er konfrontiert mich mit einem Blick der sich einmischt, der mich rührt und der mir nachhaltig Respekt abverlangt.

Sophie sagt, wer Brügge kennenlernen möchte, sollte auch durch all die kleinen Strassen laufen, abseits des touristischen Zentrums. Und Davy stimmt ihr zu: „Get lost ... “.
Das beschreibt ziemlich gut, was ich hier mache: ich verliere mich in all den kleinen Strassen und Gassen und Cafés und irgendwo unterwegs hab ich dabei auch mein Herz verloren an diese schönen Orte.
And as they both find their position, looking into my camera, their son Eland enters the scene, stepping close and closer to Sophie without saying a word. He shifts his scooter with his feet into a forward position without taking his eyes of me for a moment. He confronts me with an expression of interference, which touches me and demands my respect in a sustained manner.


Sophie says, who wants to discover Bruges should also walk all those little streets,  far away from the tourist center. And Davy agrees: „Get lost ...“
That's quite what I'm doing here at the moment: I get lost in all those streets and little alleys, and somewhere on this way I even lost my heart to all these beautiful places.


Samstag, 31. August 2013

Zuhause in Brügge


In Brügge fahren viele Menschen Fahrrad: Einheimische genauso wie Touristen. Je nachdem, wo man sich bewegt, trifft man übrigens mehr Touristen als Einheimische. Man kann sie aber ganz gut auseinander­halten: Touristen schuckeln mit dem Rad so ganz gemütlich vor sich hin und gucken mehr nach rechts, links und oben als nach vorne. Oft sind sie zu zweit, manchmal in Gruppen unterwegs, und meist versprühen sie die widersprüchliche Atmosphäre betriebsamen Müßig­gangs des Fremden in der Fremde.
Die Brügger hingegen haben ein Ziel in, und auch vor den Augen. Geübt und gerne schnell flitzen sie diesem Ziel ent­gegen und setzen so ganz nebenbei dem touristischen Treiben ein Zeichen der Alltäglichkeit entgegen. Das wirkt zugleich freundlich und beruhigend. Zumindest auf mich.
There are many cyclists on the streets in Bruges: Locals as well as tourists. Depending on where you are you may even find more tourists than locals. But it's quite easy to distinguish between them: Tourists dawdle around on their bikes, rather looking to the left, the right or upwards than looking ahead. Often they appear as a couple, sometimes as a group and at the most they radiate the contradictory atmosphere of bustling idleness of foreigners at a foreign place.
People of Bruges on the contrary are on their way following a clear intention, they're riding bike on purpose, so to say. And literally en passant they set a sign of every-day-life against the touristic bubble. Which seems to be cordial and moreover it has an calming effect. At least to me.


Linda ist in Brügge zuhause und gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit, als ich vor ihr Rad springe um sie anzuhalten. Weil sie keine Zeit hat fotografiere ich sie buch­stäblich an Ort und Stelle, und mit einer Mischung aus Eile und Gelassenheit erzählt sie mir, dass sie 60 Jahre alt ist, sechs Kinder hat und ebenfalls sechs Enkelkinder. Drei ihrer Söhne sind Musiker, und eine Freundin eines ihrer Söhne, so erzählt sie mir, mache etwas ähnliches wie ich: „Menschen ansprechen und Geschichten aufschreiben. Es ist ein Projekt gemeinsam mit einer Isländerin: Everyday stories.“
Linda arbeitet in einem Bioladen außerhalb von Brügge, der hauptsächlich Kräuter im Sortiment hat, und auch wenn ich gerne noch viel mehr erfahren und gefragt hätte; sie muss schnell weiter. Ich sehe ihr ein wenig traurig nach als sie mit ihrem Rad davonfährt und freue mich dennoch: kaum in Brügge angekommen gleich eine Linda zu treffen, das ist schon ein Geschenk.
Linda is from Bruges and when I jump in front of her bike to make her stop, she's actually on her way to a wedding. For the reason that she's in a hurry I take the photos right on the spot. With a mix of hastiness and easygoingness she tells me that she's 60 years old, that she has six children and also six grandchildren. Three of her sons are musicians and a friend of one of her sons, Linda tells me, does something quite similar to what I do: „Approaching people and writing about them. It's a project together with a girl from Iceland: Everyday stories.“
Linda works at an organic-shop outside Bruges, which is primarily specialized on herbs. And even if I would like to ask her much more, she has to leave immediately. Lightly sad I gaze after her as she cycles away, but on the other hand I'm quite happy: to meet a Linda shortly after arriving in Bruges definitely is good fortune.

Freitag, 9. August 2013

„Ich ging im Walde ...



...so vor mich hin“ schrieb Goethe in seinem Gedicht, dass ich hier zitiere, obwohl ich mich mit Goethe nun gar nicht auskenne.  In meinem Kopf sind  die Zeilen übrigens anders abgelegt: „...so für mich hin“ lauten sie da, und mit dieser kleinen Wortänderung finde ich meinen gestrigen Ausflug ganz treffend beschrieben.
Auch wenn die vorherrschende Stille hier den Anschein erwecken mag, ich hätte mich in die Sommerfrische verabschiedet; im Gegenteil arbeite ich mich gerade in einen Zustand hinein, in dem der bloße Gedanke an eben jene Sommerfrische die Grundlage kühner Tagträume von absichtslosem Müßiggang geworden ist.   



Um mich selbst nicht erneut um ein mir selbst versprochenes Wochenende zu bringen, dachte ich, es wäre eine gute Idee frühzeitig einen innerstädtischen Stadtwaldausflug mit hoffentlich initialer Wirkung zu unternehmen: „ ... um nichts zu suchen, das war mein Sinn.“
Derart poetisch motiviert plane ich übrigens keineswegs meinen Alltag; das Gedicht ist mir erst auf dem Heimweg eingefallen.

Im Wald, dem städtischen, da ist ein See mit Bootsverleih. Dahinter warten müde wirkende Stapelstühle eines im Umbau befindlichen Hotels mit bedauerlich missratener Fassade auf lebhaftere Zeiten.
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