Freitag, 29. März 2013

Zeichensätze


Kommunikation ist nicht allein Sprechen, auch wenn Worte im günstigsten Falle eine reibungslose Übermittlung von Informatio­nen zwischen zwei oder mehreren Men­schen ermöglichen. Wie bedeutsam der nonverbale Teil einer Unterhaltung ist, wie verwirrend vielleicht, oder wie entschleu­nigend beim "sich ein Bild vom anderen machen", das ruft mir mein Treffen  mit Mohamed ungewöhnlich deutlich  ins Be­wusstsein. Wir haben uns zu einem Spa­ziergang verabredet und ich bitte ihn vage,  ein wenig aus seinem Leben zu erzählen. "Meinst du den Teil jetzt, oder den davor?"  fragt Mohamed zurück. Die schwierigere Zeit sei die "davor" gewesen.
Communication doesn't only mean to speak, although words can be very helpful to transfer informations smoothly among two or more persons. Of which importance the nonverbal part of an encounter often is, how confusing it can get or how it may demand to slow down the process of making up one's idea of somebody else, again became very obvious to me when I met Mohamed lately. We decided to meet for a long stroll, and in the beginning I ask him vaguely to tell me something of his life. "Do you mean my life now, or the part before?" he asks me. The part which to him has been more difficult, is his life "before".



Und so fängt Mohamed an, von seiner Kind­heit zu erzählen; er hat in Katar, in Indien, in Russland gelebt und seine Mutter war stets auf der Suche nach einem sicheren Leben für sich und ihre drei Kinder. Dafür musste sie ihn und seine Geschwister zeitweise auch allein lassen. Wie lang er in welchem Land war, oder wie alt er jeweils war, daran kann er sich nicht gut erinnern. Auch nicht wie lang er ohne seine Mutter war: "Ich weiss nicht, ob es 2 Monate waren oder ein halbes Jahr. Ich war ein Kind, für mich war alles eine Ewigkeit."
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So, Mohamed starts to tell of his childhood; he has lived in Qatar, in India, in Russia and his mothers has always been trying to find a secure place to live for her and her three children. Therefor she sometimes even had to leave him and his siblings alone for a while. Mohamed can't remember very well how long he has been living in which country; neither he can remember exactly for how long he didn't see his mother: "I don't know, if it where two months or six months. I was a little child, to me it seemed to be endless."
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Donnerstag, 28. März 2013

Am Wegesrand der Arbeit


"Allein ... es ist die Zeit, die fehlt." würde ich antworten, wenn mich denn jemand fragen würde, wie es kommt, dass ich viel fotografiere und doch hier so wenig davon zu sehen ist. Mich fragt zwar gar keiner, aber vielleicht fragt sich ja der eine oder die andere, die immer mal vorbei streunert und nie Neues sieht in den letzten langen Tagen. Es ist nicht nur die Zeit, es ist auch die Ruhe, die fehlt. Zum schreiben ist Ruhe für mich essentiell und so warten allerlei Fotos auf ihre Texte.
Am Wegesrand meiner Arbeit sind die hier versammelten Bilder entstanden. In Pau­sen, bei der Motivsuche oder einfach in schnellen Momenten zwischendurch.
"Well ... it's a lack of time" would probably be my answer if anyone would ask me why I took a lot of pictures recently, but didn't post any of them in my blog. To tell the truth; nobody asks me, but if you are coming by from time to time and you never have found any new blogposts lately, you may  wonder, anyway. It's not only the time, it's also a lack of calmness. And calmness to me is essential while writing and for this reason there are quite some photos waiting for their words.
By the wayside of my work I took this series of pictures. During little breaks, while searching the right location or just in a quick second in between.



Manche dieser Fotos gehören zu Blog­Portraits, an denen ich gerade schreibe. Manche Fotos sind bei der Arbeit gegen Geld entstanden.
Damit habe ich ganz unbeabsichtigt eine gute Überleitung geschaffen; das mit dem Arbeiten, respektive dem Geld damit ver­dienen, ist ja gerade in der sogenannten Kreativszene nicht immer Quell der Freude. Der Artikel "Gratis, honorarfrei, umsonst - Antworten auf unangemessene Fragen", den die Fotografin Heike Rost kürzlich gepostet hat, liefert zu diesem Thema interessante Denkanstöße und Hintergründe und präsentiert zudem eine beachtliche Linksammlung. Sicherlich er­kennen zahlreiche Freiberufler, Kreative und Journalisten die beschriebenen Gepflo­genheiten und Umstände wieder.

Einen anderen Weg, um auf das Dilemma der mangelnden finanziellen Wertschätz­ung von kreativer und künstlerischer Arbeit aufmerksam zu machen, bzw. die Bedeu­tung der eigenen Existenzsicherung zu ver­bildlichen, hat der famose Stephan Brenn ersonnen: "Brot für die Kunst".
Gegen eine Spende erhält man eine Ori­ginal "Brot für die Kunst" Arbeit.

Wer noch mehr Fotos sehen möchte, die ich jüngst am Wegesrand gemacht habe: bitte hier entlang...
Some of these photos belong to blog-portraits I'm currently working on. Some photos I took while I was taking pictures to earn my life.
And so, unintentionally, I've found a perfect bridge for a post and video I want to recommend (which I found through the blog of the german photographer Heike Rost.) Earning a life as a creative freelancer or an artist isn't always that funny. Often one gets mails, requesting work for free. Although the video is looking at a photographers routine I'm sure many creative freelancers will recognize these manners.
You may also read "Why professional photographers cannot work for free." by Tony Wu.


Fabulous Stephan Brenn invented his own way, how to point out the lack of financial appreciation of creative and art-work and the importance of securing one's livelihood. "Bread for Art" is an art-piece itself. If you make a donation you'll get an original "Bread for Art" piece.



If you want to see more pictures; this way, please...

Donnerstag, 14. März 2013

Fragen und Antworten


"So steh ich oft da." kommentiert Anja sich selbst, während ich sie fotografiere. Sie steht ganz gerade und mit leichter Körper­spannung, das Gewicht auf beiden Füßen. Fast reckt sie sich insgesamt ein wenig nach oben. Dabei wippt sie ganz leicht auf und ab. Ich frage, was sie mit dieser Körperhaltung verbindet:  Anja erzählt, dass ihr diese Art zu stehen ganz vertraut ist und dass sie schon so stand, als sie noch jung war. Nun ist Anja ja immer noch jung. 'Also meint sie wohl ganz jung', denke ich und frage sie, ob es ihr beim Fragen hilft eine so altvertraute Haltung einzunehmen.
Denn das Fragen ist ein wesentlicher Bestandteil von Anjas Beruf. 
Anja ist Radio-­ und Fernsehmoderatorin und dass nicht sie die Fragen stellt, sondern statt­dessen meine beantwortet, liegt daran, dass sie mich schon vorher befragt hat. Klingt verwirrend? Ist es nicht; man könnte auch sagen, treffen sich zwei Frauen mit Mützen und befragen sich ge­genseitig. Heraus kommt dabei ein kurzer Fernsehbeitrag für EINSWEITER und ein kurzer Post in diesem Blog.
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"That's how I'm standig very often" Anja comments on herself while I take photos of her. She stands straight up with a light tension in her body, putting her weight on both legs. She's almost turning upwards with her body, bobbing slightly up and down. I ask her what this posture means to her: Anja tells that it is quite familiar to her to stand like this, that she's used to it since she was young. Though Anja is still young: 'She probably means very young', I think to myself and I ask her, if standing this way helps her asking questions.
Asking questions, that's to say, is a main part of Anjas work. She's a Radio- and TV-host, and that she's not the one who is asking questions at the moment and instead is answering mine is caused by the reason that she has interviewed me before. Sounds confusing? It shouldn't; let's say it like this: two women with woolen caps meet to interview each other. The result is a brief contribution on TV and a short post for my blog.
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Sonntag, 3. März 2013

"Gender ist ja kein Elite-Thema"


Tarik studiert Medien- und Kommunika­tionswissenschaften in Wien, macht aber momentan ein Praktikum bei einer Fern­seh-Produktionsfirma in Köln. Bevor er nach Wien gegangen ist, hat er eine Zeit lang in Berlin gelebt, in Recklinghausen ist er aufgewachsen und seine Eltern stammen aus Eritrea. So richtig angekommen ist er bislang noch nirgends und seit kurzem hegt er die Vermutung, dass dies vielleicht weniger an den Orten, als viel mehr an ihm selbst liegen könnte. "Ich möchte schon gerne mal ankommen, irgendwo." sagt Tarik. "Darüber denke ich momentan häufig nach."
Tarik studies media- and communication sciences in Vienna, but currently he's a trainee at a TV-production company in Cologne. Before he moved to Vienna, he has lived in Berlin, he was raised in Recklinghausen and his parents are from Eritrea. He still doesn't feel like he has landed at any of these places and  a short while ago, he started to wonder whether this isn't caused by the places but by himself. "I'd like to settle down, somewhere." Tarik says. "At the moment I ponder over this quite often."



Seine Wurzeln, sagt Tarik, liegen in Deutschland; hier ist er zu Welt gekommen und aufgewachsen. Trotzdem hat er sich seit seiner Kindheit immer anders gefühlt: "Man muss sich das nur vorstellen; z.B. in der Schule. Da sitzen 30 hellhäutige Kinder und mittendrin ein Tarik." Auf Reisen mit seinen Eltern nach Eritrea war es ähnlich: "Dort sind zwar meine Verwandten, aber ich kenne sie kaum, verstehe sie schlecht und sie verstehen mich schon gar nicht."
Seine Eltern haben Tarik früh vermittelt, dass er sich mehr anstrengen muss, als die anderen Kinder, dass er am besten besser ist als sie. "Ich habe das nicht verstanden, warum das so sein soll." Tarik hat sich dem Leistungsdruck verweigert. "Ich hab ein schlechtes Abi; deswegen studiere ich jetzt auch in Wien, da gibt es keinen NC."
His roots are in Germany, Tarik says; here he was born here and here he grew up. Nevertheless he has always felt different than others, yet since his childhood: "You just have to imagine: there is a class of 30 light-skinned kids and then there is one Tarik among them." When he travelled to Eritrea with his parents ist was quite similar: "There are my relatives, it is true. But I hardly know them, I hardly understand them and they understand me even less."
Tariks parents have early pointed out, that he should try harder than other kids, that he better even should be better than them. "I didn't understand why." Tarik refused to accept this kind of pressure. "My Abitur isn't very good; that's why I'm studying in Vienna. There's no numerus clausus defined."



Sehr früh schon wußte Tarik, dass er schwul ist. "Also war ich doppelt anders; schwarz und schwul."
Vielleicht ist das Gefühl anders zu sein, der Grund für Tariks intensive Auseinander­setzung mit der Norm, dem vermeintlich Normalen. "Man kann sich der Norm hin­geben, oder man kann sie in Frage stellen." sagt Tarik. Er hat sich entschieden, den gesellschaftlichen Normen und Absprachen einen Spiegel vorzuhalten und seinen ei­genen Standpunkt zu formulieren.
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At an early age Tarik realized that he's gay: "So I was different in two ways: black and gay."
Maybe the feeling of being different causes Tariks intensive exposure of norms; of the so called normality. "Either you accept normality or you question it," Tarik says. He decided to hold up a mirror to social norms and agreements and to shape his own point of view.
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