Samstag, 31. August 2013

Zuhause in Brügge


In Brügge fahren viele Menschen Fahrrad: Einheimische genauso wie Touristen. Je nachdem, wo man sich bewegt, trifft man übrigens mehr Touristen als Einheimische. Man kann sie aber ganz gut auseinander­halten: Touristen schuckeln mit dem Rad so ganz gemütlich vor sich hin und gucken mehr nach rechts, links und oben als nach vorne. Oft sind sie zu zweit, manchmal in Gruppen unterwegs, und meist versprühen sie die widersprüchliche Atmosphäre betriebsamen Müßig­gangs des Fremden in der Fremde.
Die Brügger hingegen haben ein Ziel in, und auch vor den Augen. Geübt und gerne schnell flitzen sie diesem Ziel ent­gegen und setzen so ganz nebenbei dem touristischen Treiben ein Zeichen der Alltäglichkeit entgegen. Das wirkt zugleich freundlich und beruhigend. Zumindest auf mich.
There are many cyclists on the streets in Bruges: Locals as well as tourists. Depending on where you are you may even find more tourists than locals. But it's quite easy to distinguish between them: Tourists dawdle around on their bikes, rather looking to the left, the right or upwards than looking ahead. Often they appear as a couple, sometimes as a group and at the most they radiate the contradictory atmosphere of bustling idleness of foreigners at a foreign place.
People of Bruges on the contrary are on their way following a clear intention, they're riding bike on purpose, so to say. And literally en passant they set a sign of every-day-life against the touristic bubble. Which seems to be cordial and moreover it has an calming effect. At least to me.


Linda ist in Brügge zuhause und gerade auf dem Weg zu einer Hochzeit, als ich vor ihr Rad springe um sie anzuhalten. Weil sie keine Zeit hat fotografiere ich sie buch­stäblich an Ort und Stelle, und mit einer Mischung aus Eile und Gelassenheit erzählt sie mir, dass sie 60 Jahre alt ist, sechs Kinder hat und ebenfalls sechs Enkelkinder. Drei ihrer Söhne sind Musiker, und eine Freundin eines ihrer Söhne, so erzählt sie mir, mache etwas ähnliches wie ich: „Menschen ansprechen und Geschichten aufschreiben. Es ist ein Projekt gemeinsam mit einer Isländerin: Everyday stories.“
Linda arbeitet in einem Bioladen außerhalb von Brügge, der hauptsächlich Kräuter im Sortiment hat, und auch wenn ich gerne noch viel mehr erfahren und gefragt hätte; sie muss schnell weiter. Ich sehe ihr ein wenig traurig nach als sie mit ihrem Rad davonfährt und freue mich dennoch: kaum in Brügge angekommen gleich eine Linda zu treffen, das ist schon ein Geschenk.
Linda is from Bruges and when I jump in front of her bike to make her stop, she's actually on her way to a wedding. For the reason that she's in a hurry I take the photos right on the spot. With a mix of hastiness and easygoingness she tells me that she's 60 years old, that she has six children and also six grandchildren. Three of her sons are musicians and a friend of one of her sons, Linda tells me, does something quite similar to what I do: „Approaching people and writing about them. It's a project together with a girl from Iceland: Everyday stories.“
Linda works at an organic-shop outside Bruges, which is primarily specialized on herbs. And even if I would like to ask her much more, she has to leave immediately. Lightly sad I gaze after her as she cycles away, but on the other hand I'm quite happy: to meet a Linda shortly after arriving in Bruges definitely is good fortune.

Freitag, 9. August 2013

„Ich ging im Walde ...



...so vor mich hin“ schrieb Goethe in seinem Gedicht, dass ich hier zitiere, obwohl ich mich mit Goethe nun gar nicht auskenne.  In meinem Kopf sind  die Zeilen übrigens anders abgelegt: „...so für mich hin“ lauten sie da, und mit dieser kleinen Wortänderung finde ich meinen gestrigen Ausflug ganz treffend beschrieben.
Auch wenn die vorherrschende Stille hier den Anschein erwecken mag, ich hätte mich in die Sommerfrische verabschiedet; im Gegenteil arbeite ich mich gerade in einen Zustand hinein, in dem der bloße Gedanke an eben jene Sommerfrische die Grundlage kühner Tagträume von absichtslosem Müßiggang geworden ist.   



Um mich selbst nicht erneut um ein mir selbst versprochenes Wochenende zu bringen, dachte ich, es wäre eine gute Idee frühzeitig einen innerstädtischen Stadtwaldausflug mit hoffentlich initialer Wirkung zu unternehmen: „ ... um nichts zu suchen, das war mein Sinn.“
Derart poetisch motiviert plane ich übrigens keineswegs meinen Alltag; das Gedicht ist mir erst auf dem Heimweg eingefallen.

Im Wald, dem städtischen, da ist ein See mit Bootsverleih. Dahinter warten müde wirkende Stapelstühle eines im Umbau befindlichen Hotels mit bedauerlich missratener Fassade auf lebhaftere Zeiten.
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