Sonntag, 24. November 2013

Drei Schaukeln im Garten


Im Garten von Dominique steht eine Schau­kel. Genauer gesagt sind es drei Schaukeln an einem Holzgerüst. „Zwei Kinder hast du?“ frage ich Dominique, mit Blick auf die Schaukel. „Ja,“ sagt sie, „die dritte ist für mich.“ Vor meinem inneren Auge sehe ich Dominique auf der Schaukel in fließender Bewegung nach vorn und hinten schwingen, eine Hand am Seil, den Blick nach innen gerichtet. Vielleicht, überlege ich, kom­men ihr beim Schaukeln die Ideen, oder sie werden währenddessen konkret und greif­bar.
In meiner Vorstellung schau­kelt Dominique sich für einen Moment aus Zeit und Raum, ein dichter und konzen­trierter Moment, der leicht bleibt, weil er ohne Absicht ist.
There is a swing placed in Dominiques garden. More precisely there are three swings on a wooden scaffolding. „You've got two children?“ I ask her, looking at the swings. „Yes,“ she says, „the third one is for me.“ In my minds eye I see Dominique as she seesaws flowingly back and forth on her swing, one hand on the rope, keeping the glance inwardly.
Maybe, I wonder, the ideas hit her while she seesaws, maybe they get more con­crete and tangible.
In my imagination Dominique seesaws herself out of time and space, an intense moment full of concentration, which stays easy, because there's no purpose.



Das sind natürlich nur meine eigenen Gedanken und Vorstellungen; Projektionen vielleicht, weil ich beeindruckt bin von Dominiques Fähigkeit zur kreativen Kons­truktion.
Die drei Schaukeln sind aber auch ein schönes Sinnbild für die drei Berufe, die Dominique erlernt hat, von denen sie heute zwei parallel ausübt.
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Of course these are just my own personal thoughts and imaginations; projections possibly, because I'm so impressed by Dominiques talent for creative construc­tion.
Those three swings moreover are a perfect symbol for the three professions Dominique has learned, from which she currently practices two.
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Samstag, 16. November 2013

Neulich in der Stadt am Meer



Die belgische Küste ist ungefähr 66 Kilometer lang, und wenn man Reisenden und ihren Berichten glauben darf zeichnet sie sich nicht durch naturbelassene Strände und malerische Dünenlandschaften aus. Im Gegenteil scheinen  über größere Strecken plattenbauähnliche Wohnburgen die betonierten Strandpromenaden zu säumen. Schön, womöglich mit mehr als einem „ö", oder einem einleitenden „so“, ist nicht der vorherrschende Kommentar; ganz besonders schlecht kommt die belgische Küste in diesem mare-Artikel weg, in dem die Autorin fragt, wieviel Hässlichkeit ein Landstrich verträgt.




Ich weiß nicht was dran ist am Plattenbau-Makel, denn ich war nur in Oostende und das auch nur für drei Tage. Dort allerdings stehen in der Tat ganz schön viele Wohn- und Appartementsilos am Meer herum. Es gibt jedoch auch reichlich Häuser und Gebäude, die entstanden sind, lange bevor die ... äh ... Prachtbauten der 70iger Jahre hochgeschustert wurden. Und so finden sich in Oostende allerorten Bauwerke in architektonischer Nachbarschaft, die nicht nur seltsam fremd beisammen stehen, sondern auch einen stummen Dialog zu führen scheinen.
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Donnerstag, 14. November 2013

Wenn die Gedanken andere Wege nehmen



Dass die Zahlen Eins und Zehn etwas miteinander zu tun haben, hat Sophia schon früh im Mathe-Unterricht erfahren. Verstanden hat sie es nicht. Überhaupt sind ihr die Zahlen und das Rechnen schleierhaft geblieben. Bestimmte Dinge, Zahlenreihen oder das Einmaleins, hat sie einfach auswendig gelernt, ohne einen Zugang zum Sinn des Ganzen zu haben. Erst in der elften Klasse ist schließlich klar geworden, dass Sophia Dyskalkulie hat. Bis dahin hat Sophia in der Annahme gelebt, dass sie wohl dumm sein muss. Dümmer jedenfalls als alle anderen, die offenbar keine Probleme mit der rätselhaften Welt der Zahlen hatten. 




Nicht zu verstehen, was alle anderen offenbar problemlos zu lernen imstande sind, hat Sophia als entmutigend und auch als isolierend erlebt: „In der Schule gibt es einen Weg, wie man zu denken hat, und wenn man anders denkt, dann ist man raus,“ sagt Sophie. In manchen Fächern hatte Sophie keine Probleme, und insgesamt war sie gar nicht schlecht in der Schule. Aber dennoch hatte sie meist das Gefühl, dass ihre Gedanken andere Wege nehmen und sie immer noch eine Frage hat: „Es wurde viel erklärt und am Ende dachte ich oft: 'Ja. Aber warum?' “ Warum ist etwas wie es ist, warum genau, und ist es wirklich so?

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Dienstag, 12. November 2013

„Für Minuten ein verschollenes Tier ...“



„... ich gehöre mir“ singt Cäthe auf ihrem aktuellen Album, mit dem sie gerade durch die Lande tourt.
Weil ich sie in Köln kürzlich verpasst habe bin ich ihr ins beschauliche Koblenz hinter­hergereist. Ich bin wahrlich keine Musiksachverständige; was mir gefällt entscheidet immer mein Gefühl und nur selten kann ich fundierte Erklärungen liefern.
Für mich steht dennoch fest: Cäthe ist eine, die man live sehen muss. Hat man sie dann live gesehen, kann man sich zwischenzeitlich mit ihrer Platte behelfen. „Wie machst du das nur? Ich bin glückselig und habe eine völlige Achterbahn der Gefühle durchlaufen heute Abend,“ so der Kommentar einer Zuschauerin auf Cäthes Facebookseite. 



Letztes Jahr habe ich Cäthe in Aachen zum Interview getroffen (in voller Länge und mit ein wenig Musik hier zu finden).
Dieses Jahr war mein gefühltes Alter nach dem Konzert nicht mehr stabil. Als ich zu Cäthe an den Tresen bin war ich gerade ungefähr fünf. Vielleicht auch siebzehn. Jedenfalls war ich schüchtern und deswegen hatte ich meine Botschaft an sie auf ein Kaffee­tassenpapierchen gekrickelt.
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Freitag, 8. November 2013

Raum im Raum


Sich fotografieren zu lassen ist für die meisten Menschen gar nicht leicht: viele stellen, kaum das man die Kamera auf sie richtet, unmittelbar das Atmen ein oder setzen eine Miene auf, mit der sie sich plötzlich selbst nicht mehr ähnlich sehen. Isabelle gestattet mir sie zu fotografieren, aber auch für sie stellt das eine Heraus­forderung dar.
Einerseits zu merken, wie man vor der Ka­mera abgeschnitten ist von der eigenen Selbst­verständlichkeit, und andererseits kaum eine Möglichkeit zu haben diese Selbstverständlichkeit wieder herzustellen, das birgt bisweilen eine gewisse Komik in sich, und so kann es beim fotografieren schon mal sehr lustig zugehen.
To get photographed isn't that easy for most people: very often it happens, that people in front of a camera immediately stop breathing, or they put on an untypical expresssion, so they won't look alike themeselves anymore. Isabelle allows me to take a picture of her, even though it's a challenge for her, as well.
To realise that one is cut off from his naturalness on the one hand, and not to be able to recreate easily  it on the other hand somehow involves a special kind of humor, and so it happens that photo-sessions turn out to be very cheerful gatherings.



Ich mag das Foto von Isabelle sehr; unsere kleine Foto-Session habe ich beendet, direkt nachdem es entstanden ist.
Isabelle ist Innenarchitektin und betreibt zusätzlich ein kleines Bed & Breakfast in Oostende, nur einen Katzensprung vom Meer entfernt. Für drei Tage und zwei Nächte war sie meine Gastgeberin. Mit einer höchst angenehmen Mischung aus Präsenz und raumlassender Zurückhaltung betreibt sie ihr Reise-Zuhause, dessen Ausstattung und Einrichtung bis ins Detail Isabelles unangestrengte Handschrift trägt. Vielleicht ist es also nur folgerichtig, einen Menschen, den ich hauptsächlich über sein Tun und Wirken erfahren habe, über diesen Umweg vorzustellen, über Bande quasi.
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I really like the photo of Isabelle, I thought our photo-session was successfully finished right after I took it.
Isabelle is an interior architect and she also runs a small Bed & Breakfast in Oostende, only a stones throw away from the sea. For three days and two nights she has been my host. With a pleasurable mixture of presence and space-giving distance she manages her guest lodging, and its furniture and decoration carries her easy-going thumbprint in every detail. So maybe it's just consequent to introduce a person who I mostly witnessed through the space she provides by showing exactly this, in an indirect way, so to say.
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