Mittwoch, 30. Dezember 2015

... und dann auch noch schnücksch?



Vom Mitspielen dürfen

Eines möchte ich diesem Text voranstellen: unendlich viele Menschen in diesem Land widmen sich aufopferungsvoll, unentgeltlich, unentwegt und zumeist unerwähnt der Hilfe und Unterstützung von Flüchtenden. Sie verwenden ihre Kraft und Zeit um zu helfen. Ich kann mich nicht dazuzählen, denn ich tue quasi nichts. Allerhöchstens ein leises 'quasi' darf ich mir gönnen, oder ein hoffnungsvolles 'noch nichts'.
Ich lese, ja. Vor allem Herrn Buddenbohm gilt an dieser Stelle mein Dank, der sich regelmäßig die Mühe macht profunde Linksammlungen zum Thema zusammenzustellen, die er nach wie vor bescheiden Sonderausgabe nennt.
Ich lese also, ich mache mir Gedanken, nehme innerlich Teil. Aber weder stehe ich in einer Suppenküche, noch in einer Kleider-Sortierkammer, noch bin ich sonstwie irgendwie tätig.
Meine kleinen Aktionen sind situative Einzelhilfen im Promillebereich, von denen ich nur hoffen kann, dass sie tatsächlich hilfreich sind. Meine vielen Gedanken beschäftigen mich persönlich, haben aber keine Wirkung, keinen Nutzen im Außen.

Oft versuche ich mich hineinzuversetzen: in Menschen, die auf der Flucht sind, die ihr Leben verloren haben, die aber noch am Leben sind. „Losmarschiert als Preussen und als Gesindel angekommen“ schreibt Dörte Hansen in ihrem Roman „Altes Land“ über flüchtende Menschen aus Ostpreussen. Ich übertrage das im Geiste auf Menschen aus Syrien, Afghanistan, Afrika, woher auch immer eben die Menschen stammen, die ihr Leben auf der Flucht riskiert haben.


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Sonntag, 27. Dezember 2015

Haydarpaşa, kapalı



Es gibt Orte, an denen ist man üblicherweise nicht allein. Oder besser gesagt, vielleicht ist man an ihnen sogar allein, aber man ist nicht für sich. Manche Orte teilt man naturgemäß mit anderen Menschen; sogar mit vielen zumeist. Deswegen hat es es immer seinen ganz eigenen Zauber, solche Orte menschenleer vorzufinden. Schon einer nächtlichen, verlassenen Fußgängerzone, die nur für den Öffnungszeiten-orientierten Tag gemacht zu sein scheint, wohnt dieser eigentümliche Reiz inne. Oder eine Kneipe (sagt man eigentlich heute noch Kneipe?) die man nur laut und voll und (früher) verqualmt kennt; verstörend in trübem Tageslicht, die Stühle auf den Tischen, ernüchternd dreckig und über allem der spröde Duft der Zapfanlage, den man lieber nicht gerochen hätte. Und gibt es nicht auch Filme zum Thema? Nachts im Museum, Allein im Kaufhaus ...




Haydarpaşa, der historische Kopfbahnhof auf Istanbuls asiatischer Seite, war einmal der zweitgrößte Bahnhof der Stadt. Hier kamen Züge aus Anatolien, Syrien, Iran, Irak an. Wer weiter nach Europa wollte musste die Fähre über den Bosporus zum Bahnhof Sirkeci auf der europäischen Seite nehmen; so wie es Hercule Poirot in 'Mord im Orientexpress' getan hat, um mal ein fiktives Bild zu bemühen.

Heute ist Haydarpaşa ein seltsam verlassener Ort. Im Frühjahr 2012 wurde zunächst der Fernverkehr und etwas später auch der Regionalverkehr eingestellt. Obwohl das nun schon über drei Jahre her ist wirkt alles, als wäre der Bahnhof erst kürzlich hastig geräumt worden. Zwar sind die Fahrkartenautomaten im Eingang abgebaut, die Ticketschalter sind geschlossenen und frei von persönlichen Spuren. Hinter den Fenstern stehen Schilder: 'Kapalı', das bedeutet 'Geschlossen.' Auch die kleinen Bahnhofskioske - die Büfes - sind verlassen, leer, teilweise mit Brettern vernagelt. Bis auf einen. Ganz rechts in einer Reihe toter Schaufenster bietet ein letzter Kiosk noch immer Tee und Zigaretten an und was es eben so gibt im türkischen Büdchen.




Vielleicht liegt es an den Zügen, die noch auf den Gleisen stehen, vielleicht an den geschlossenen, aber hübschen Gittertoren, die den Zugang zu den Gleisen scheinbar nur vorübergehend verwehren, an den Schildern, auf denen für Reisende noch immer steht, an welchem Ort sie sich gerade befinden: Haydarpaşa. Vielleicht liegt es am vitalen Grün der eingezäunten Bahnhofsbüsche, vielleicht an den südlichen Palmen, die den Geschäftigen etwas Lässigkeit entgegensetzen . Haydarpaşa ist ein Bahnhof ohne Fahrplan und das macht ihn zu einem traurigen Ort.
Aber irgendwie scheint den Bahnhof selbst niemand informiert zu haben, dass er fortan nicht mehr genutzt werden soll. Mit Contenance und Würde steht er aufrecht und wirkt vorbereitet. Es fällt so leicht, sich ein wuselndes Meer aus Reisenden, Koffern und Stimmen vorzustellen, die sich wie selbstverständlich in ihm ausbreiten und bewegen. Der Bahnhof ist ein verlässlicher Veteran, der zu früh den Dienst quittieren musste und ein renitentes Lüftchen weht heimlich durch die Hallen: Ihr könnt mich mal, ich bin noch da!


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Dienstag, 1. Dezember 2015

Drei Generationen Haus



In einer schmalen, steilen Strasse im Istanbuler Stadtteil Cihangir steht Elas Geburtshaus. Nicht nur sie, auch ihre drei Schwestern – die älteste ist 38, die jüngste 17 – sind hier zur Welt gekommen.
Ela, die ich im Café ihres Großvaters Cemal kennengelernt habe, hat mich eingeladen, sie in ihr Haus zu begleiten: „Wir leben dort alle zusammen, meine Eltern, meine Großeltern, ich und meine jüngste Schwester.“ Ela ist (ich schrieb es schon) von leiser, aber überbordender Herzlichkeit. Wie könnte ich ihr Angebot ausschlagen.

Also machen wir uns gemeinsam auf den Weg vom Café - wo bis auf den Vater und Elas Schwester gerade die familiäre Hausgemeinschaft versammelt ist - und schlendern die kurvige Strasse bergab in Richtung Haus. Unterwegs zeigt Ela mal hierhin, mal dorthin; im oberen Teil der Strasse steht ein opulenter Neubau mit großen Panoramafenstern. Dort wohnt, so erfahre ich, ein berühmter Schauspieler einer beliebten Seifenoper. Ela kennt auch den Preis seiner Wohnung, denn der stand in der Zeitung; irgendeine Zahl mit Million hintendran, sehr teuer jedenfalls. Ein paar Meter weiter kürzt eine steile Treppe für Fußgänger den Weg nach oben ab. Die Stufen sind voll besetzt, überall sitzen grüppchenweise junge Leute zusammen. Es ist Freitag Abend, es ist warm, die Sonne geht gerade unter, und der Bosporus glitzert Weite und Geborgenheit zugleich in den nahenden Abend hinaus.

An der nächsten Biegung zeige ich auf einen bunten Strauss Peperoni, die am Fenster eines hübschen, gut erhaltenen Holzhauses zum trocknen draußen hängen. Neben dem Haus steht eine Palme. Bereits letztes Jahr habe ich hier ein Foto gemacht, auch damals hingen Pepperoni und Kräuter am Fenster. Ela freut sich – hier wohnt ihre Freundin.




Ela kennt das Viertel, an jedem Haus fällt ihr eine Geschichte ein. Und wo kein Haus mehr steht, sondern nur noch eine bröckelige Mauer, stand früher mal eins, wo sie mit ihren Freunden gespielt hat.
Ela ist 23. In dieser Strasse, in diesem Viertel ist sie groß geworden. Wir erreichen das Haus ihrer Großeltern, ihrer Eltern, ihr Haus. „Da oben ist mein Fenster,“ sagt Ela und zeigt in den zweiten Stock. Dann erklärt sie mir alle anderen Fenster, während ich die Eingangstür suche. Die Tür ist aus Metall und schief in eine schiefe Mauer eingelassen. Alles hier ist schief, kaum sind wir in dem kleinen Innenhof, wo mich eine der sechs oder sieben Hauskatzen begrüßt, geht es schief weiter. Als ich selbst ein Kind war, wurde ich in einem markanten Moment meines Lebens mit dem Phänomen 'windschief' bekannt gemacht. Hier, in Elas Haus, befinde ich mich nun in einer Art Zentrale des windschiefen.
Ela führt mich durch den Hof zur Haustür, aus der soeben ihr jüngere Schwester tritt. Sie verhält sich beruhigend jugendlich. Mit Ela wechselt sie mimikfrei nur die nötigsten genuschelten Worte, mich ignoriert sie weitgehend. Während sie ihre Turnschuhe anzieht, lese ich auf ihrem T-Shirt: Don't kill my Vibe.




Ela bewegt sich mit mit liebender Selbstverständlichkeit durch das Haus, in dem sie schon immer lebt und mit dem sie auf eigene Art verschmolzen zu sein scheint. Wenn sie mir etwas erklärt, dann damit ich das Haus verstehe, damit auch ich mich im Haus auskenne, mich darin bewegen kann. Ela präsentiert nicht, sie lädt ein. Sie teilt. So unspektakulär kann Gastfreundschaft daherkommen, und so ohne Zweifel.
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Montag, 26. Oktober 2015

Cemals Café



Istanbul ist auf sieben Hügeln erbaut und jeder dieser Hügel bietet unzählige Aussichten und Panoramablicke. Stünde das Wort Hügel für einen hohen mathematischen Rechenwert und nähme man den zum Quadrat – oder besser noch alle sieben Hügel zum Quadrat – dann käme dabei eine immens hohe Zahl heraus, die die Fülle der Aussichtsmöglichkeiten Istanbuls beschreiben würde. An einem dieser fast beiläufig vorhandenen, verschwenderisch schönen Aussichtspunkte hat Cemal ein kleines Straßencafé.
Selten dürfte diese Bezeichnung derart stimmig sein: Cemals Café liegt nicht nur an der Straße, es befindet sich auch darauf. Es gibt kein Drinnen und kein Draussen, es gibt keine Toiletten, nichts zu Essen und auch keine große Auswahl. Aber es gibt Kaffee, und der wird in wunderschönen kleinen Tassen serviert. Und es gibt - natürlich - einen Ausblick.



Direkt über einer kleinen, etwas räudigen Grünanlage, dem Sanatkârlar Parkı, liegt Cemals Café. Den schmalen Bürgersteig begrenzt ein Geländer, so dass niemand in den Park hinunterfallen kann. Wenn Cemal sein Café eröffnet, irgendwann am Nachmittag, stellt er ein oder zwei Tische ans Geländer. Wenn mehr Gäste kommen, stellt er noch ein paar Tische dazu. Manchmal stehen Autos am Straßenrand seines Bürgersteig-Cafés. Wenn eins wegfährt, schiebt Cemal mit einer ganz eigenen Schwungtechnik schwere, aber leere Blumenkästen aus Stein auf die frei gewordene Fläche.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, an einer graffitigeschmückten Mauer, wird von Cemals Freund Mehmet in einer Art Schrank der Kaffee zubereitet.



Cemal ist 80 Jahre alt, seit 26 Jahren betreibt er sein kleines Straßencafé. Früher war es ein paar Meter weiter rechts, aber irgendwann ist dort ein Parkplatz entstanden, so dass Cemal mit seinem Mobiliar ein wenig wandern musste. Ganz legal ist der kleine Betrieb nicht, aber richtig ernsthafte Probleme hat es in all den Jahren nicht gegeben. Nicht die Polizei sei das Problem - die auch gerade auf einen Kaffee vorbeigeschaut hat - sondern 'the government'. Das erklärt mir Ela, Cemals Enkelin, und ich vermute, sie meint so etwas wie das Ordnungsamt.

Cemals Café ist ein friedlicher Ort. Manchmal fährt ein Auto vorbei oder ein paar Jugendliche lassen den Motor ihres Mopeds aufheulen. An den Tischen sitzen Menschen im leisen Gespräch in der letzten Sonne des frühen Abends, die schließlich dem Schatten das Feld überlässt und über den Bosporus nach Asien leuchtet.
Ich bin an meinem letzten Abend bei Cemal zu Gast. Als ich meinen Kaffee bezahle, frage ich ob ich ein paar Fotos machen kann. Cemal ruft Ela, die schon seit einer Weile an der Mauer sitzt und in ihr Telefon versunken ist. Ela übersetzt und erzählt mir Geschichten aus Cemals Leben: dass er früher unten in Karaköy, in der Nähe der Galata-Brücke ein Restaurant hatte, neben dem Friseur-Salon seines Sohnes - Elas Vater. Außerdem hat Cemal dort auch einen Parkplatz betrieben - einen Otopark, wie sie in Istanbul heißen.
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Mittwoch, 2. September 2015

Menschen am Bosporus



Istanbul ist für mich ein Sehnsuchtsort. Bin ich nicht hier, sehne ich mich her. Manchmal, wenn im Fernsehen ein Bericht über Istanbul kommt, dann schicken Freunde und Bekannte eine sms oder eine mail: „Jetzt grad, jetzt läuft was“, oder „Morgen Abend, hast du gesehen...?“ Dann muss ich entscheiden, ob ich es überhaupt sehen möchte. Ob ich mich der Sehnsucht stelle.
Und wenn ich dann hier bin - so, wie ich mich momentan glücklich schätzen darf, in Istanbul zu sein - finde ich mich konfrontiert mit einer anderen Form der Sehnsucht. Das ist eine Sehnsucht, die mich durch die Straßen treibt, durch Stadtviertel, an alte und an neue Orte – und immer wieder an den Bosporus. Ich kann sie einlösen, die Sehnsucht, ich kann prüfen, ob sie es wert war, die Reise anzutreten, und ich bemerke wie sie sich verwandelt. In etwas größeres, stilleres, in etwas, das weniger an einen Ort gebunden ist, als an einen Wunsch ans Leben.
Warum das gerade in Istanbul passiert - ich habe es noch nicht ergründet.




Meine Liebe für die Stadt und meine Liebe zum Bosporus teile ich mit vielen Menschen. Das weiß ich, weil Menschen über Istanbul schreiben, weil sie Fernsehberichte oder Filme drehen, weil Istanbul ein Touristenmagnet ist. Vor allem aber weiß ich es, weil man es merken kann. Die Istanbuler lieben ihre Stadt. Sicherlich lieben sie nicht alles an ihr, und nicht alles, was in ihr passiert. Aber sie wertschätzen ihr Umfeld - das unmittelbare und das etwas dahinterliegende auch noch. Und in der Mitte ist der Bosporus. Zumindest irgendwie in der Mitte. Und dort treffen sie aufeinander, die Menschen. Jeder geht, läuft, fährt an seinem ganz eigenen Bosporus entlang. Jeder darf einen Moment lang ganz allein sein mit ihm. Mit dem Bosporus oder mit seinem ganz eigenen Wunsch ans Leben – der sich hier so leicht in eine wortlose Klarheit findet, die im nächsten Moment schon wieder vom Alltag umfangen wird. Scheinbar.




Die Fotos sind im Fındıklı Park in der Nähe des Fähranlegers Kabataş entstanden. Hier verbringen Menschen ihren Feierabend - mit einem Çay und einem Balık Ekmek (gegrillter Fisch in Brot). Sie eilen zur Fähre nach Üsküdar und Kadıköy auf der asiatischen Seite Istanbuls, oder sie kehren gerade von dort zurück.
Wenn die Sonne den asiatischen Teil auf der anderen Seite ins Abendlicht taucht, sammeln die Budenbesitzer langsam sie Sonnenschirme ein.

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Dienstag, 7. Juli 2015

WMDEDGT beim CSD



Inspiriert von der Kaltmamsell mache ich mit bei WMDEDGT*, ausgerufen von der (mir bis dato unbekannten ) Frau Brüllen und so gibt es meinen diesjährigen CSD Bericht mal im Tagebuchstil. * Was machst du eigentlich den ganzen Tag?
Auch in diesem Jahr habe ich mich beim CSD der Auftragsfotografie gewidmet; es galt den Showtruck meines Auftraggebers im gesamten Streckenverlauf stimmungsvoll abzubilden. Schöne Sache.

Hier zeige ich aber nun Fotos, die ich quasi 'nebenbei' gemacht habe.


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Donnerstag, 18. Juni 2015

Der Frühling, so weit



Manchmal, ja manchmal, da fahr ich abends durch den Park, wo scheinbar alle anderen auf der Wiese sitzen. Oder gesessen haben; ein paar wenige Menschen sind vielleicht noch übrig. Auf Decken, auf Treppen, mit einer letzten Flasche zu warmem Bier. Ein Wunsch schwebt wortlos in die Dunkelheit: „Komm, wir bleiben. Noch nicht heimgehen. Lass uns die Zeit zerdehnen.“
Es ist beinahe Sommer.



Manchmal, ja manchmal - ich will ehrlich sein - da denk ich mir: „Sagt mal, habt ihr denn alle nichts zu tun?“
Wie so ein alter Reaktionärsgeist. Fehlt nur noch: „Ham'se gedient?“, denke ich erschrocken.

Das kommt - ich will gnädig mit mir sein - weil ich immer so viel mache. Nun machen die Menschen im Park und auf der Wiese ja auch was. Sich einen schönen Abend zum Beispiel. Das ist gut.
In meinem Kopf landet solcherlei Zeitvertreib allerdings in der Nichts-machen-Schublade. Nichts im Sinne von 'nicht nützlich'.
Ich selbst mache meist nützliche Dinge. (Ja, da muss ich selbst ein bisschen lachen.)
Will sagen, ich arbeite. Auf die eine oder andere Weise steht mein Tun zumeist mit Arbeit oder Nützlichkeit in Verbindung. Oder was ich eben so für nützlich zu erachten beschlossen habe.

Da will ich gar nicht klagen: ich entscheide ja selbst.
Arbeit ist übrigens nicht gleich Gelderwerb. Arbeit ist oftmals ganz profan die eigene never-ending-Existenzbestellung. Dazu gehört auch Katze füttern, Blumen gießen und mal eben schnell das Treppenhaus für alle putzen – (was ich insgesamt gerne mache.)

Also fotografiere ich das, was ich selbst eher selten mache.
(Für diesen Blog, für den ich mir zu wenig Zeit nehme.)
So mache ich auf meine Weise mit.




Übrigens sitze auch ich gerne einfach so da. Morgens zum Beispiel - mit einem Kaffee in der Hand.
Ganz entspannt langweilig gucken.
Schön!

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Montag, 11. Mai 2015

Yemek – das ist Türkisch und heißt Essen


Isabel Lezmi  und Lisa Rienermann

Das sind die schönsten Überraschungen: Geschenke, mit denen man nicht rechnet. Liisa von Charming Quark hat mir vor ein paar Wochen ein Istanbul-Kochbuch geschickt - einfach so! Nett, nicht wahr?
Yemek heißt das Buch und es ist toll. Isabel Lezmi und Lisa Rienermann haben sich das Buch zusammen ausgedacht und es miteinander umgesetzt. Neulich habe ich die beiden in Köln getroffen.

*******

Ein Buch wie ein Ferientag am Bosporus - so steht es hinten auf dem Buch geschrieben. Mit dieser Begrüßung laden die Autorinnen zu einer kulinarischen Tagesreise durch Istanbul ein. Sie reichen ihren Lesern mit spielerischer Leichtigkeit die ortskundige Hand: „.Denn das ist eigentlich das Schönste: eine Stadt zu erleben, die einem jemand zeigt." sagt Lisa, die Istanbul selbst auf diese Weise kennenlernen konnte. Isabel ist vor ein paar Jahren gemeinsam mit ihrem Mann nach Istanbul gezogen und Lisa hat die beiden dort mit ihrem Freund besucht: „Wir haben zehn Tage auf ihrer Couch gewohnt und hatten die besten Stadtführer der Welt. Das ist toll, wenn jemand sagt 'Guck mal, hier gibts das leckerste Dürüm und da hat man eine tolle Aussicht'.“



Eigentlich war Isabels ursprüngliche Idee, einen kulinarischen Reiseführer zu machen. Bei Lisas erstem Besuch in Istanbul haben die beiden angefangen gemeinsam zu überlegen, wie das konkret aussehen könnte. Vom Reiseführer sind sie dabei mehr und mehr abgerückt, die Idee Istanbul vorzustellen ist geblieben. Das Thema kulinarische Stadtführung haben sie mit einem Tagesablauf kombiniert: eigentlich verblüffend naheliegend. Yemek beginnt für den Leser mit einem Frühstück und endet mit einem Mitternachtssnack. Dabei lernt man in kurzen Portraits Menschen aus Istanbul kennen oder erfährt grundsätzliches über Oliven und türkischen Pudding.




Lisa ist Illustratorin und Fotografin; von ihr stammen die meisten Fotos im Buch. Isabel ist Texterin und PR-Beraterin und leidenschaftliche Köchin mit Kochblog: Lecker Lezmi. Für die erste Fotoproduktion ist Lisa für drei Wochen nach Istanbul geflogen: jeden Tag haben sie gekocht und fotografiert - und natürlich auch gegessen. Mit dabei war Veronika Helvacioglu, die auch bei der Recherche und den Übersetzungen geholfen hat. Wenn ihnen etwas nicht geschmeckt hat, hat Isabel es nochmal zubereitet: „Die Dillbrötchen zum Beispiel,“ sagt Lisa und lacht. „Da hat Isa gesagt, so geht das nicht, das müssen wir nochmal machen.“

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Freitag, 10. April 2015

Ein Tag am Aprilnebelmeer



Das große Warten auf den Frühling hat schon lang begonnen – ich weiß. Und wie es aussieht, ist er ja nun da. Jeder Sonnenstrahl wird willkommen geheißen, genutzt und gefeiert. Die Schlange an der Eisdiele um die Ecke ist verlässlich lang, in den Hinterhof-Gärten werden die Tische zum Abendessen gedeckt. Der frühlingsblaue Himmel bekommt ein paar frische Farben zur Gesellschaft und zeigt sich vertraut mit ihnen Hand in Hand: grüne Wiesen und erblühender Ginster, Kirschblüten und Osterglocken - eine muntere Gang erfüllt ein ersehntes Versprechen und formiert sich als Vorbote des Sommers.
Aber besonders am Meer und gerade im April kann sich das Wetter rasch ändern - kaum sieht man den Nebel am Horizont aufziehen, steht man auch schon mittendrin. Ein bisschen ist das, als kämen die Wolken spontan zu Besuch.

Der Nebel dämpft die Farben, aber er stiehlt sie nicht. Er nimmt die Sicht und macht die Welt ein bisschen leiser. Und auch ein bisschen kleiner. Ich mag das. Immer. Auch im Frühling.

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Montag, 23. März 2015

Von Köln nach Neukölln




Vor ein paar Tagen ist Jasmin mit all ihren Habseligkeiten einmal quer durchs Land gefahren. Los ging die Reise in Köln-Ehrenfeld, das Ziel war Neukölln in Berlin.
Dort lebt Jasmin nun – was natürlich eine Feststellung ist, der es an Feinsinn mangelt. Denn wenngleich Jasmin samt Tisch und Bett den Ortswechsel äußerlich vollzogen hat, dürfte der innere Umzug noch ein Weilchen andauern. Man lebt ja nicht gleich los, als wäre alles so wie immer. Jasmin nimmt sich also erst mal etwas Zeit um anzukommen, um sich einzurichten und sich einzufinden – in der großen, neuen Stadt.

Gerade hat sie ihr Studium in Kommunikationsdesign abgeschlossen und ist nun freie Illustratorin. Auf ein gestalterisches Medium ist sie nicht festgelegt: Jasmin arbeitet analog und digital, ihre Ausdrucksform ist minimalistisch im Erscheinungsbild. Was einen deutlichen Gegensatz zu den Themen darstellt, denen sie sich widmet: Mensch sein, Liebe, geschlechtsspezifische Rollenmodelle, Pornografie aus feministischer Sicht, bzw. feministische Pornografie. Im Mittelpunkt ihrer Beobachtungen steht der Mensch in seinen diversen Lebensbezügen.




Von Berlin verspricht Jasmin sich mehr berufliche Möglichkeiten und mehr Freiraum, als sie in Köln zu finden glaubte. Und sie freut sich auch darauf, sich selbst neu zu erleben: „Ich habe mal eine Weile in Toronto gelebt, und das war einfach eine schöne Zeit; sich in einer ganz fremden Umgebung nochmal anders auszuprobieren. Daran denke ich sehr gerne zurück.“



ecosign - Nirgendwo ist hier from ecosign/Akademie für Gestaltung on Vimeo.


Das Leben an einem anderen als dem vertrauten Ort weiterzuführen ist auch ein Teil von Jasmins Familiengeschichte. In dem Video, das für das Projekt „Nirgendwo ist hier“ entstanden ist, erzählt Jasmin, wie ihr Vater aus Anatolien nach Deutschland kam: „Dieser Film ist sowas ähnliches wie Arbeit, Recherche, Aufarbeitung zu den Wurzeln und der Geschichte meines Vaters und der Kennenlerngeschichte meiner Eltern. Das Ganze ist spielerisch und sehr weit runtergebrochen, gibt aber einen kleinen Einblick in meine Familiengeschichte.“

Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit zwischen der ecosign Köln und dem Flüchtlingsrat NRW entstanden ist, wird vom 28.03 bis 13.05.2015 im Kreativquartier Ruhrort in Duisburg zu sehen sein.






Sonntag, 15. März 2015

Frontlader



Eine erfreuliche Entwicklung im Stadtbild ist die stetig steigende Zahl an Lastenrädern aller Art. Meist sind es Kinder, die da einzeln oder im kleineren Gruppenverbund befördert werden. Zunehmend beobachte ich aber auch den Transport größerer Einkäufe und sperriger Güter. Bereits seit einigen Jahren lassen sich Touristen mit der Rikscha durch die Kölner Innenstadt kutschieren, im Sommer legen die Parkpiraten mit ihrem handgefertigten Radiosender-Fahrrad auf der grünen Wiese an. Wer in Köln lebt, und auch mal ohne Auto – und ohne ein eigenes Nutzrad zu besitzen – Dinge befördern möchte, kann sich Kasimir das Lastenrad ausleihen – kostenlos wohlgemerkt!

Dan hat seit ein paar Monaten diesen dreirädrigen Frontlader, mit dem er nun sich und seine beiden Hunde Karla und Paula fortbewegt. Den Hunden gefällts; zur Sicherheit leint Dan sie aber noch an, damit sie nicht doch mal unversehens rausspringen.
Im hölzernen Passagierraum bietet eine schmale Sitzbank auch eventuell mitreisenden Kindern Platz;
der Zugang erfolgt über die vordere Außenwand, die ausgeklappt zur Laderampe wird.






Lesetipp: Im Blog Nutzrad von Andreas Kuppinger finden sich interessante  Geschichten rund ums Thema und aus aller Welt: von einer sehr sympathischen dänischen Bestatterin, bei der die letzte Reise auch mit dem Lastenrad möglich ist oder von einem Fahrradwohnwagen, den man in den Niederlanden leihen kann (wo es ja praktischerweise nicht allzu bergig ist).
Außerdem gibts noch einen umfangreichen Nutzradkatalog, der sich als Suchhilfe für alle möglichen Nutzradmodelle versteht. Mit einem Klick aufs Symbol findet man so mehrere Anbieter von jeder denkbaren Sorte Nutzrad: LastenräderRollstuhlmobile oder Räder für die Stadtreinigung.

Donnerstag, 12. März 2015

Nähe und Distanz



Olga habe ich bei meiner Karnevals-Foto-Safari an Weiberfastnacht getroffen; sie war als Black Swan verkleidet und hat am Aachener Weiher in der Kölner Innenstadt gefeiert. Vor zwei Tagen haben wir uns wiedergetroffen. Diesmal mit mehr Zeit und ohne Verkleidung.

Nach dem Abitur ist Olga von Bochum nach Köln gezogen. Das war vor knapp 6 Jahren. Sie wusste erst mal nicht recht, was sie machen möchte. Probehalber hat sie ein bisschen losstudiert, aber dann hat sie sich für ein freiwilliges soziales Jahr beim Roten Kreuz beworben: „Die haben sich auch schnell gemeldet und mich zum Gespräch eingeladen.“ Ein halbes Jahr hat Olga in einer Förderschule gearbeitet, ein halbes Jahr in einer integrativen Waldorfschule, und sie war auch kurz in einem Altenheim. Die Arbeit hat ihr gut gefallen: „Ich wusste dann einfach, dass es das ist was ich gerne machen möchte“.

Also hat Olga eine Ausbildung begonnen, die sie im vergangenen Herbst abgeschlossen hat. Sie ist nun Heilerziehungspflegerin und arbeitet in einer Wohngruppe in der Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen leben: Menschen mit körperlicher, geistiger oder psychischer Behinderung, manche auch mit Schwerstmehrfachbehinderung. Die Wohngruppe damit beschreiben zu wollen wäre allerdings etwas eindimensional: Olga definiert die Bewohner ja nicht über ihre Behinderung: „Es sind einfach Menschen – alle mit einer eigenen Persönlichkeit.“




Wie viele Berufsbezeichnungen bleibt auch Olgas Beruf für mich zunächst abstrakt - deswegen frage ich nach. Olga sagt, der Name lade tatsächlich zu Fehldeutungen ein: „Viele denken bei Heilerziehungspflegerin sofort hauptsächlich an Pflege, bzw. an pflegerische Tätigkeiten, eben weil das Wort da drin steckt.“ Dabei ist dies nur ein Aspekt von Olgas Arbeit – und auch für die Menschen in der Wohngruppe ist Pflege nur ein Aspekt in ihrem alltäglichen Leben.







In der Wohngruppe in der Olga arbeitet leben 8 Menschen zusammen. „Ich biete Unterstützung bei alltäglichen Dingen. Dazu gehört natürlich auch dass ich beim Zähneputzen, beim Waschen oder oder beim Anziehen helfe.“ Morgens begleitet Olga den Start in den Tag: „Alle aus der Wohngruppe gehen arbeiten; in unterschiedlichen Werkstätten.“ Tagsüber, wenn die Bewohner bei der Arbeit sind, ist Olgas Arbeit eher administrativ: sie schreibt Anträge oder Berichte und kümmert sich um allgemeine organisatorische Belange. Wenn alle wieder zuhause sind findet in der Wohngruppe ganz alltägliches statt: „Die eine hört Musik, der andere kocht sich eine Kanne Tee, manche gucken fern. Was man eben so macht nach der Arbeit. Wichtig ist, dass man Halt und Struktur bietet.“ Man spricht miteinander, Olga fragt nach, wie der Tag war: „Wenn jemand nicht sprechen kann, dann geht es eben über Reaktionen. Da erfährt man auch viel.“

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Dienstag, 3. März 2015

Lebendigkeit und Ruhe




Gerda lebt im Epizentrum des Kölner Studentenlebens. Die Lebendigkeit des Viertels möchte sie nicht missen, aber etwas mehr Ruhe in der eigenen Wohnung hätte sie schon gern. Ruhe, um sich zu konzentrieren, Ruhe zum Malen, zum Lesen - Ungestörtheit eben. „Momentan ist es so, dass ich von meiner Nachbarin alles höre. Also wirklich alles.“  Dass Jung und Alt in der Stadt nah zusammenleben findet Gerda eigentlich schön: „Aber das Mischungsverhältnis muss stimmen.“ Zunehmend hat sie das Gefühl, dass sie unter immer weniger Alten zwischen immer mehr Jungen lebt - und dass sich diese Entwicklung in der Zukunft deutlich fortsetzen wird.

In wenigen Wochen wird Gerda deswegen umziehen. Nach der neuen Wohnung hat sie lange gesucht, aber nun ist sie zuversichtlich, dass sie die richtige gefunden hat. In das Viertel, in dem sie jetzt wohnt und an dem sie so hängt, kann sie dann noch immer bequem zu Fuß laufen: „Das war mir wichtig!“ sagt Gerda. „Meine Kinder würden sagen, da wo ich hinziehe, ist es spießig, aber eine Tochter von mir wohnt auch dort, und deswegen weiß ich, dass die Wohnungen eine gute Schalldämmung haben.“



Die graue Mütze hat Gerda selbst gehäkelt


Gerda ist 72 Jahre alt und sie hat vier Töchter. Die Älteste ist 32, die Jüngste 26. Gerda war 38, als sie ihren zweiten Mann kennengelernt hat, mit 40 kam das erste Kind. Was heute nicht mehr sonderlich unüblich ist, war damals eher die Ausnahme.
Berufstätig ist Gerda nicht mehr, früher hat sie in der Berufsbearbeitung gearbeitet - beim Arbeitsamt, wie es damals noch hieß. Sie hat Menschen, die ihren alten Beruf nicht mehr ausüben konnten, geholfen, herauszufinden, welches denn möglicherweise ein neuer Beruf sein könnte. „Aber das ist ja schon so lange her ...“, sagt Gerda.





Schon immer hat Gerda viel gemalt, und das macht sie auch heute noch. In Öl oder Acryl, abstrakt oder gegenständlich: „Wenn ich eine Idee habe, versuche ich sie umzusetzen. Manchmal sind es auch nur Skizzen, die ich mir im Urlaub oder unterwegs mache.“
Ihre jetzige Wohnung ist voll mit ihren Bildern: „Das ist ein Altbau, da ist es leicht, die alle unterzubringen. Mal sehen, wie es in der neuen Wohnung wird.“ Ausgestellt hat sie ihre Bilder schon lange nicht mehr, sie zeigt sie eher im Freundeskreis. Ihre Kinder ermutigen sie immer wieder, sich eine Homepage einzurichten, aber Gerda ist noch nicht sicher, ob sie das möchte.
Nun steht erst mal der Umzug bevor, und die neue Zeit, die damit beginnt. „Meine neue Wohnung hat auch einen Balkon.“ sagt Gerda. „Mit Blick auf den Dom!“






Samstag, 28. Februar 2015

Was ich von ihm weiß



Paris - Köln - Brüssel - Paris; das ist die Reiseroute von Yuhei. 2 Wochen hat er Zeit, und fast 10000 km ist er dafür geflogen: Yuhei lebt in Osaka in Japan, wo er als Architekt arbeitet. Und damit ist auch schon fast alles erzählt, was ich von ihm weiß. Yuhei spricht nur sehr wenig Englisch und ich natürlich überhaupt kein Japanisch. Ihm zu erklären, dass ich gern ein Foto von ihm machen würde - und warum - war gar nicht so leicht. Zu fragen, wie es in Europa ist, wie es ist allein zu reisen, was ihn herführt oder interessiert, um nur mal ein paar banale Einstiegsfragen zu erwähnen – diese Versuche haben wir ratlos lachend beiseite gewischt.




Natürlich hätte ich gern mehr von Yuhei erfahren, ich hätte mich gern überraschen lassen von dem, was er vielleicht von selbst erzählt hätte. Letztlich aber wäre auch dann die Atmosphäre entscheidend gewesen; wortloses Verstehen, das Wohlwollen, Wohlfühlen und Sympathie voraussetzt oder ermöglicht.



Yuhei hat beim fotografieren auch ein Foto von mir gemacht, das hab ich hier (Achtung facebook) gepostet.


So schade es auch ist, das unser Gespräch schnell an sprachliche Grenzen gestoßen ist, so schön war doch die Begegnung.

Nachtrag: eigentlich eine schöne Gelegenheit diesen Japan- Blog zu empfehlen: 8900km - von einer die auszog in Japan das Schlangestehen zu lernen. Darin schreibt Claudia über ihr neues Leben in Tokyo, wo sie seit ein paar Jahren lebt. Das liest sich mal amüsant, mal informativ, und auch mal ergreifend.

Freitag, 27. Februar 2015

Ein Foto von ...




Wie dieses Foto entstanden ist könnt ihr drüben bei hintergrundrauschen lesen – meinem Portfolio-Begleitblog, auf dem ich somit eine neue Serie beginne (und den ich damit hoffentlich überhaupt mal richtig ans Atmen bringe): „Ein Foto von ...“ mit der Geschichte zum jeweiligen Foto. Das Schöne ist: ich hab bereits so einige Fotos, die mir etwas bedeuten und die ich deshalb nach und nach gerne zeigen möchte – eben weil sie eine Geschichte haben.

Freitag, 13. Februar 2015

Spaziergang durch den Irrsinn



Ausgerüstet mit Schuhen, die ich für geeignet hielt und einem Aufnahmeverfahren für Sprach-Memos, das mir komfortabler als ein Zettel zu sein schien, habe ich mich gestern auf meine alljährliche Weiberfastnachts-Wanderung gemacht. Dass die Schuhe nicht ganz so bequem waren wie gewünscht, musste ich mir bei Kilometer 6 allmählich eingestehen. Bei der Streckenhalbzeit also – was ich natürlich in diesem Moment noch nicht wusste.

Ungefähr 60 Menschen habe ich auf meinem Spaziergang durch den Irrsinn (sehr viele Leute überall, Alkohol spielt eine Rolle) angesprochen und fotografiert. Da tun Notizen Not; worin in diesem Fall leider ein doppelter Wortsinn liegt.
Am späten Abend hat sich nämlich herausgestellt, dass sämtliche Erinnerungs-Aufsager im technischen Nirwana verloren gegangen sind. Namen, Kostümgeschichten, Kurzinterviews - alles weg.
Das tut weh; mehr noch als schmerzende Füße.

Das Wichtigste aber bleibt zum Glück: ein primatoller Tag mit kalter Luft und blauem Himmel, interessanten Begegnungen und vielen Fotos.




Mehr Bilder gibt es heute hier nach dem Klick. Und noch mehr Bilder dann morgen bei Brigitte.de. Da sag ich nochmal Bescheid.
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Dienstag, 10. Februar 2015

Wir müssen draussen bleiben


Bernd Blömer und Dirk Tillack, Outtake

Unterhalten sich zwei; Einer stellt Fragen, Eine antwortet. Im Gespräch geht es um das Kabarett-Programm 'Wir müssen draussen bleiben' von Dirk Tillack und Bernd Blömer, das im Januar Premiere hatte.
Also, genau genommen ist es so: die Unterhaltung von Einer und Eine ist fiktiv. Die Eine bin übrigens ich. Den Fragensteller, den armen Tropf, hab ich mir nur ausgedacht. Die Antworten sind aber echt. Eigentlich geht es (mir zumindest)  ja auch nur um die Antworten. Und natürlich geht es um Dirk Tillack und Bernd Blömer. Die Künstler, die famosen.

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Dienstag, 3. Februar 2015

Waldgartenvögel



Hinter unserem Pfälzer Ferienhäuschen liegt ein kleiner, steiler Garten, der nahtlos in den angrenzenden, ebenso steil ansteigenden Wald übergeht. Einzig ein Stück deutsches Kulturgut - ein Maschendrahtzaun - bezeichnet die genaue Grenze zwischen Wald und Garten. Die ansässige Vogelgemeinde weiß von solcherlei menschlicher Markierungssymbolik naturgemäß nichts und fliegt munter hin und her. War die Meise eben noch ein Waldvogel ist sie einen Moment später ein Gartenvogel, was der Meise natürlich herzlich egal sein kann. Nicht egal kann ihr hingegen die Nahrungsaufnahme sein, der sie entsprechend viel Zeit widmet. Ebenso wenig egal sind todbringende Feinde, wie Sperber, Katzen oder große Frauen in dicken, raschelnden Jacken; da kann die Jacke so baumstammfarben sein, wie sie will. Je näher Frau und Jacke sich an den Futterplatz heranrascheln, desto einsamer wird es dort. Nur raschelfreies und bewegungsloses Ausharren lässt Kohl-, Blau- und Haubenmeisen zurückkehren, und mit etwas Glück auch Rotkehlchen, Kleiber und Specht.




Nicht das Auslösen der Kamera verjagt die Vögel, einzig meine Bewegungen sind offenbar bedrohlich. Also stehe ich in stockstarrer Haltung mit laufender Nase und kaltgefrorenem Zeigefinger so nah wie möglich am Futterbaum, das tränende Auge am beschlagenen Sucher. Der Versuch einen der Vögel beim An- oder Abflug zu erwischen scheitert vielfach, sie sind zu schnell und ich bin zu langsam. Ein Rotkehlchen scheint sich über mich lustig zu machen, indem es sich unentwegt hochreckt, als wolle es sich für den Start bereit machen. Aber es ist eben ein Rotkehlchen und kein Albatross; als es tatsächlich endlich losfliegt, kann ich nur noch einen leeren Ast fotografieren.

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Samstag, 31. Januar 2015

Die Zeit zerfällt im Schnee



Ziemlich genau 100 Minuten und ungefähr 6000 Meter liegen zwischen dem ersten und dem letzten Foto dieser kleinen Serie vom gestrigen Gang zum nächstgelegenen Bäcker.
Gut, das mit dem nächstgelegen ist nicht ganz korrekt; es gibt auch einen kleinen Laden in Gleisweiler (ca. 600 Einwohner) selbst. Der öffnet in den Wintermonaten allerdings nur zu sehr überschaubaren Zeiten (06:00-11:30), die abzupassen weder ich noch der Mann derzeit im Stande sind.
Außerdem gibt es noch eine Bäckerei im benachbarten Frankweiler (knapp 900 Einwohner). Die ist an jedem Tag der Woche für mindestens 10 erstaunliche Stunden geöffnet und hat reichlich - und ausschließlich - Backwaren im Sortiment. Das macht auch Sinn, denn nur wenige Schritte entfernt bietet ein kleines Lebensmittelgeschäft was Lebensmittelgeschäfte eben so bieten. Tütensuppen, Mehl und Kirschen im Glas. Das sind zumindest ein paar der Dinge, die ich im Inneren des Ladens ausmachen kann, als ich mir an der Eingangstür die Nase plattdrücke.

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